Romeo und Julia unterm Balkon

Veröffentlicht: 4. April 2009 in Freizeitgestaltung, Gelaber

„Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen;
Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen.
Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen:
Ich will dann strafen oder Gnad‘ erteilen;
Denn niemals gab es so ein herbes Los,
Als Juliens und ihres Romeos.“
(Shakespeare – „Romeo und Julia“ – 5. Aufzug, 3. Szene)

Nicht Verona sondern Dresden war Schauplatz der Tragödie, die sich in der vergangenen Nacht zutrug. Direkt unter unserem Schlafzimmerfenster auf der Straße. Von 1 bis 4 Uhr morgens. Also definitiv Nachtigall- und nicht Lerchenzeit.
Ein Pärchen kurz vor der Volljährigkeit stritt sich lautstark und tränenreich. Der Grund war hier keine Familienfehde, nein, viel schlimmer: Er hatte sie auf einer Feier als EINE Freundin und nicht als SEINE Freundin vorgestellt.
Vorwürfe flogen ihrerseits (er ließ eine Bierflasche gegen die Hauswand fliegen), Liebesschwüre folgten seinerseits (doch prallten gänzlich von ihr ab) (die Flasche tat dies an der Wand klirrend und in Scherben), es wurde ausdauernd, dramatisch und erfolglos diskutiert, die Straße dabei hoch und runter gewandert. Und immer wieder machten sie Laufpause unter unserem Fenster.
Ich hätte die beiden pubertierenden Hormonmonster killen können. Wollte ich doch verdammtnochmal endlich schlafen! Mein Wecker war auf gnadenlose 7 Uhr gestellt und im Terminkalender stand ein voller Arbeitstag.
Ich kann ja für so ziemlich jeden Scheiß wenigstens eine Ecke Verständnis aufbringen, aber nicht für so einem Blödsinn, nicht um diese Uhrzeit, für dieses Ausdauersgeheul, Post-Erkältet und Prä-Arbeitsam. Zum Glück machte mein Liebster dem Theater ein Ende und sprach vor der Haustür ein Machtwort. Die beiden trollten sich endlich und waren nicht mehr gehört.

Da sie beide die ganze Nacht im T-Shirt rumgelaufen sind: Ich wünsch Euch eine dicke fette Grippe, Kinders!

Den Arbeitstag hab ich trotz Müdigkeit gut überstanden und sogar noch nach Feierabend die Energie gehabt, endlich den Balkon neu zu bepflanzen. Morgen nur noch ein bissl Feinarbeit und Möbel putzen, dann ist die Frühlingssaison eröffnet!


Ach, ich liebe diese Zeit jedes Jahr mehr! Es war herrlich, mit den Händen in der Erde zu wühlen; das Alte raus, das Frische rein, ein paar Samen hier und da, statt braunem und trockenem Gestrüpp kam saftiges Grünes und Buntes in die Kästen und Töpfe. Von den Nachbarbalkonen wehten Gesprächsfetzen, Gelächter und Grillgeruch herüber.

Nun ist er endlich da: Der Frühling! 🙂

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