Zwei fantastische philosophische Thriller

Veröffentlicht: 25. April 2011 in Literatur, Rezensionen, Thriller/Horror, Wortschatz

… aus Deutschland:

Das Wörterbuch des Viktor Vau“ von Gerd Ruebenstrunk

Professor Viktor Vau ist ein Einzelgänger mit leicht autistischen Zügen. Von einigen Kollegen belächelt, setzt er Sprache zur Behandlung von Geisteskrankheiten ein. Aus persönlicher Leidenschaft heraus hat er eine eigene Sprache entwickelt, die keine Ungenauigkeiten zulässt. Denn: „Es ist seit jeher eines der großen Probleme der Wissenschaften, dass wir in einer Sprache gefangen sind, die nur unzureichend in der Lage ist, die Wirklichkeit detailgetreu wiederzugeben. Das beginnt bei einfachen Alltagsbegriffen. Nehmen wir das Wort Amsel. Was ist damit gemeint? Eine männliche Amsel, eine weibliche Amsel oder ein Amselküken? Und was bedeutet der Satz >Siehst du die Amsel dort?<? Wo ist dort? Sitzt die Amsel oder fliegt sie? All das kann unsere Sprache nicht erfassen.“ (S.38)
Seine Sprache kann das.

Eines Tages landet eine Raumkapsel in Afrika, deren Ursprung unbekannt ist. Sie besteht aus auf der Erde unbekannten Substanzen und enthält eine Botschaft in einer rätselhaften Schrift. Zahlreiche Wissenschaftler rücken an, darunter auch Viktor Vau. Und dieser muss feststellen, dass es sich dabei um seine Schrift handelt, die bis jetzt niemand außer ihm selbst kennt. Noch erschreckender ist, was er dort nun lesen muss…
Mehr kann man jetzt gar nicht erzählen, ohne zu viel zu verraten. Es bleibt die Frage, was es mit der Kapsel auf sich hat, ob sie von Ausserirdischen stammt oder aus der Zukunft oder ob es eine ganz andere Lösung gibt. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Geschichte nicht in unserer Gegenwart spielt, sondern in einem zukünftigen Überwachungsstaat, in dessen Visier nun Viktor Vau gerät.

Spannend, intelligent, philosophisch, lehrreich (es gibt einige sehr aufschlussreiche Informationen über die Sprache und das Gehirn), also klare Leseempfehlung!

***

Die Stadt“ von Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst kannte ich bisher nur als Übersetzer der Pratchett-Romane. Aber in Zukunft werde ich bestimmt noch einige seine eigenen Romane lesen, denn dieser hier hat mir sehr gefallen!

An seinem vierzigsten Geburtstag stirbt Benjamin. Er kann sich nur noch an einen Autounfall erinnern, bei dem auch seine Frau ums Leben kam, und erwacht ohne sie in einer grauen Stadt. Eine Frau namens Louise begrüßt ihn mit den Worten: „Willkommen im Jenseits.“
Alle Menschen, denen er begegnet, sind Verstorbene, aber keiner weiß eine sichere Antwort auf die Frage, wo sie sich befinden. Ist das das Paradies? Immerhin gibt es einen Supermarkt, der sich von selbst neu auffüllt. Eine dort herrschende Gemeinschaft geht davon aus, dass sie sich in einer Art Limbus befinden, in dem erst noch entschieden wird, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt. Es gibt auch Theorien über Ausserirdische, die sie für ein Experiment benutzen. Vielleicht liegt er aber im Koma und träumt das alles nur?
Umgeben ist die Stadt von einem Nebel, in dem sich gefährliche Schattenwesen verbergen und ihn dadurch undurchdringlich machen. Sie sind also eingeschlossen und wissen nicht, was sich dahinter verbirgt.
Benjamin möchte sich nicht mit den Vermutungen abgeben und will herausfinden, wo er nun ist. Und wo ist seine Frau? Doch neugierige Fragen sind in der Gemeinschaft nicht erwünscht.

Auch hier eine großartige, intelligente und spannende Mischung aus Thriller und Fantasy-Roman, mit viel Philosophie und Psychologie, ebenfalls ganz klare Leseempfehlung!

Übrigens haben beide Romane ein überraschendes und befriedigendes Ende – was ja leider nicht immer der Fall ist. 😉

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