Meine Elf des Frühsommers

Veröffentlicht: 13. Juni 2011 in Jugendbuch, Neuerscheinungen, Rezensionen, Thriller/Horror, Wortschatz

Durch eine Krankschreibung und ein bisschen Urlaub hatte ich jede Menge Zeit zum Lesen. Und ich habe sie genutzt… 😉

Clockwork Angel – Die Chroniken der Schattenjäger 1“ von Cassandra Clare

Nach dem großen Erfolg der „Chroniken der Unterwelt„-Trilogie (von der im November ein vierter Teil erscheint) (womit es ab dann Tetralogie heißen muss), hat Frau Clare sich nun an die Vorgeschichte der Schattenjäger gemacht. Auch hier ist schon mal das Cover wieder der Hammer! Aber nun zum Inhalt:
Wir befinden uns im Jahre 1878. Die 16jährige Waise Tessa reist nach dem Tod ihrer Tante nach London zu ihrem Bruder. Doch dort wird sie gleich von zwei merkwürdigen Frauen entführt und eingesperrt, die behaupten, Tessa hätte das Talent zur Gestaltwandlerin und sie ausbilden wollen. Erst dann würde sie ihren Bruder wiedersehen.
Dank der Schattenjäger kann sie fliehen, aber weiß noch immer nicht, wo sich ihr Bruder befindet. Und warum sie die Gabe (oder den Fluch) hat, ihre Gstalt zu verändern.
Wieder ein spannender Lesegenuss, der nur durch zwei Punkte getrübt wurde:
1. Auch wenn die Geschichte etwas anders ist, gleichen sich die Figuren mit denen der Unterweltchroniken schon sehr. Da hätte ich mich über ein bisschen mehr Kreativität der Autorin gefreut. Handwerklich war es wieder einwandfrei, der Stil flüssig und lebendig, mit einem guten Schuss Humor.
2. Die Übersetzer hätten etwas weniger Kreativität an den Tag legen sollen. Die Wortschöpfung „Klockwerk“, die das Werk durchzieht, geht mal gar nicht! Entweder hätten sie es bei „Clockwork“ belassen sollen oder eben die normale deutsche Übersetzung „Uhrwerk“ wählen sollen.
Also wer die Unterweltchroniken mochte, wird auch mit dieser neuen Trilogie (soweit ich weiß) gut unterhalten. Natürlich bleiben am Ende dieses ersten Bandes so viele Fragen offen, dass ich jetzt schon auf den zweiten Band lauere.

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Herr Mozart wacht auf“ von Eva Baronsky

Was wäre, wenn Mozart durch mysteriöse Umstände im heutigen Wien landen würde? Dieser Zeitreisengedanke wird sehr unterhaltsam in „Herr Mozart wacht auf“ durchgespielt.
Im Dezember 1791 liegt Mozart auf dem Sterbebett und erwacht 2006 in einem fremden Bett. Natürlich ist seine Verwirrung groß: Wo ist er hier gelandet? Die moderne Welt bietet einiges an Überraschungen! Er begreift es als Chance, sein unvollendetes Requiem zu beenden. Schnell findet er einen Freund, bei dem er unterkommen kann, und dank seines Talents auch die Möglichkeit, sich ein wenig Geld zu verdienen.
Dieser intelligente Debütroman macht wirklich Spaß!

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Raum“ von Emma Donoghue

Hier kann ich leider noch nicht viel erzählen, denn der Roman erscheint erst im August. Nur so viel:
Ein Junge erzählt von seinem fünften Geburtstag. Er und seine Mutter leben schon immer im „Raum“. Wenn der Mann kommt, muss er sich im Schrank verstecken.
Ein psychologisch sehr spannender Roman, über ein Schicksal, ähnlich der Fälle Kampusch und Fritzl, und das Leben der Opfer nach der Freilassung.

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Schweinehunde“ von Lotte und Soren Hammer

Zwei Kinder entdecken in einer Turnhalle fünf bestialisch ermordete Männer. Kommissar Konrad Simonsen und sein Team haben nicht nur die schwere Nuss zu knacken, was dort passiert ist, sondern auch gegen die modernen Medien zu kämpfen, die aus den Mordfällen eine Botschaft machen, die schnell zum gefährlichen Selbstläufer mutieren könnte.
Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Der Roman hebt sich mit dieser Thematik vom Thrillereinheitsbrei ab, denn neben der recht realistischen Recherchearbeit geht es auch um die Macht der Medien und das brisante Thema Selbstjustiz.
Ein spannender Thriller aus Dänemark, flott und flüssig geschrieben, mit interessanten Figuren, der zum Nachdenken anregt.

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Gute Geister“ von Kathryn Stockett

Mississippi in den 60er Jahren. Jeder Weiße, der was auf sich hält, hat schwarze Hausangestellte. Skeeter, eine 22jährige weiße Frau, ist gefrustet und entsetzt, wie ihre Mutter und ihre Freundinnen mit den Angestellten umgehen. Also beschließt sie, ein Buch über das wahre Leben der schwarzen Angestellten zu schreiben. Nun brauch sie nur noch Frauen, die den Mut aufbringen, über ihre Arbeit und ihr Leben zu berichten. Was gar nicht so leicht ist, in einer Zeit, in der ein Schwarzer oft schon zu Tode geprügelt wird, wenn er nur mal die falsche Toilette benutzt.
Ein großartiger Roman und eine aufregende Geschichtesstunde! Ähnlich wie „Die Farbe Lila“ und „Grüne Tomaten“ kommt er ohne viel Kitsch und Liebesgeschichten aus, sondern erzählt mitreissend die Geschichten von drei starken Frauen in Zeiten der extrem rassistischen Südstaaten.

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Boy 7“ von Mirjam Mous

Ein Junge erwacht in einer einsamen Gegend und weiß weder wo, noch wer er ist. Neben sich findet er nur einen Rucksack mit einem Handy. Auf der Mailbox ist eine Nachricht, von ihm selbst, die ihm rät, auf keinen Fall die Polizei zu rufen. Ein fremdes Mädchen, das gerade mit ihrem Wagen vorbei kommt, nimmt ihn mit. Aber wem kann er trauen? Und was ist passiert?
Kein Knüller, aber ein solider Jugendthriller ab 13 Jahren.

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1Q84“ von Haruki Murakami

Hui, ein schöner dicker Murakami! Schon in dieser Ausgabe besteht er aus zwei Teilen (in Japan erschienen sie in zwei Büchern), aber erst am Ende musste ich feststellen, dass es noch einen dritten Teil gibt, der im Oktober erscheint. Das offene Ende war wirklich gemein!
Wir verfolgen abwechselnd das Leben von Aomame und Tengo, beide um die 30 Jahre alt. Aomame hat einen ungewöhnlichen Job, aber die Überraschung möchte ich keinem Leser verderben. Tengo bekommt den Auftrag, ein ungewöhnliches Manuskript zu überarbeiten. Und so geht es weiter mit ungewöhnlichen Dingen im Leben der beiden Protagonisten. Und am Himmel stehen zwei Monde, die niemand zu bemerken scheint.
Ein grandioser Lesegenuss mit über 1000 Seiten (im Teil 3 kommen noch 550 dazu), den ich im Leserausch an einem Tag durchgeschwartet habe. Absolute Empfehlung!

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Das Ende der Geschichten“ von Scarlett Thomas

Nachdem mich ihre beiden anderen Romane „Troposphäre“ und „PopCo“ begeistert haben, wartete ich schon sehnsüchtig auf „Das Ende der Geschichten“. Aber war letztendlich etwas enttäuscht. Es las sich wie erwartet gut und war voller philosophischer Ideen, aber mir fehlte der rote Faden und damit die Spannung. Ein wiederkehrendes Thema im Roman ist die „Geschichte ohne Geschichte“, was Scarlett Thomas wohl gleich mal ausprobiert hat. Überhaupt hatte man manchmal den Eindruck, dass sich die Hauptprotagonistin Meg und die Autorin mit dem gleichen Problem rumplagen: Ich würde gern einen Roman schreiben, aber weiß noch nicht genau worüber und in welchem Stil.
Ein netter Lesestoff für Zwischendurch, wenn man die anderen Romane von ihr kennt und mag. Wer noch nichts von ihr gelesen hat, sollte lieber zur „Troposphäre“ greifen.

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Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis

Dieser Jugendroman war eine Überraschung: Ich erwartete einen Fantasyroman (wg. Cover + Titel) und bekam eine Mischung aus Krimi und Gesellschaftsroman mit kleiner Märcheneinlage. Enttäuscht war ich nicht, denn das Ganze las sich locker und war spannend: Anna verliebt sich in den Schulaußenseiter Abel, von dem gemunkelt wird, er wäre ein Dealer. Sie findet heraus, dass er allein mit seiner kleinen Schwester lebt und freundet sich mit den beiden an. Die Mutter der Geschwister ist verschwunden und Abel wartet sehnsüchtig auf seinen 18. Geburtstag, damit das Jugendamt die beiden nicht trennen kann. Seiner kleinen Schwester (und bald ist auch Anna gespannte Zuhörerin) erzählt er nach und nach ein Märchen, in dem sich fiktive und reale Ereignisse vermischen. Auch die Morde, die in ihrem Umkreis passieren. Hat Abel etwa damit etwas zu tun?
Ein spannende Geschichte, gut geschrieben, mit der tollen Märcheneinlage, aber auch ein paar sehr zweifelhaften Aussagen für eine Teenagerlektüre. Das da geraucht wird, fand ich nicht schlimm, aber es passiert zum Beispiel eine sehr überraschende und eigentlich unverzeihliche Sache, die von Anna recht schnell hingenommen und verziehen wird. Auch die Auflösung war… hhm…

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Der heilige Eddy“ von Jakob Arjouni

Noch ein dünnes Büchlein von Herrn Arjouni, das sich an einem Abend auf dem Balkon so weggelesen hat. Die Krimikomödie handelt von Eddy, der sich in Berlin als Trickdieb durchschlägt. Mehr durch Zufall tötet er in seinem Treppenhaus einen der meistgehassteten Prominenten Berlins, den Großverdiener Horst König. Weil dessen Bodyguarts vor der Haustür stehen, steht Eddy nun vor dem Problem: Wohin mit der Leiche?
Sehr unterhaltsamer und flüssiger Lesestoff!

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Eine Klasse für sich“ von Scarlett Thomas

Was liegt, nach der etwas enttäuschenden Lektüre ihres letzten Romans näher, als zu ihrem ersten zu greifen? Weil ich den zum Geburtstag bekommen habe, konnte ich auch gleich anfangen. Hier war es wieder eine „Geschichte mit Geschichte“, was ich sehr begrüßt habe, leider mit weniger philosophischen Gedanken, als in ihren späteren Romanen. Was man aber von einem Thriller auch nicht unbedingt erwarten muss.
Lily kehrt nach einer zerbrochenen Beziehung zurück in ihre Heimatstadt und arbeitet dort als Dozentin für Kriminalliteratur. Noch vor ihrer Ankunft passiert ein brualer Mord an einer Studentin und kurze Zeit später stirbt ein Student. Da sie kurz vor seinem Tod noch mit ihm gesprochen hat und sich schuldig fühlt, ihn allein gelassen zu haben, beschließt sie, die Morde selbst zu aufzuklären.
Sehr spannender und unterhaltsamer Debütroman von der damals 26jährigen Scarlett Thomas (der leider momentan vergriffen ist)!

Sorry an jedes Suchmaschinenopfer, das wegen des Betreffs etwas über Fußball erwartet hat. 😉

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