Archiv für die Kategorie ‘Gelaber’

Besonders anstrengend.
Kaum haben wir die Tür aufgeschlossen, steht da schon ein Mann mit folgendem Wunsch im Laden: „Meine Frau schickt mich. Sie sollen ein Buch mit einem Pferd vorne drauf haben. Mehr hat sie nicht gesagt.“ (Darum konnten wir ihm auch nicht helfen.)
Eine Kundin kauft einen Kalender und sagt: “ Den möchte ich gern verschicken. Was machen wir denn da?“ (Wir? Da ich keine Nerven habe, mich darüber zu unterhalten, warum das nun „unser gemeinsames Problem“ ist, gehe ich im Wareneingang gucken, ob wir noch einen großen Versandumschlag haben. Hatten wir. Dann hatte sie ihn.)
Eine Kundin reicht mir an der Kasse ein Taschenbuch und fragt: „Möchten Sie das gerne einpacken?“ (Nein!!! schreit es in mir. Aber da sie keine ehrliche Antwort erwartet, packe ich es ein.)
Dann sind da die Wir-klappern-alle-Läden-ab-Familien: Eltern, die von ihren Kindern genervt sind, weil die Kinder überdreht und gelangweilt sind. Als Gesamtpaket ziemlich anstrengend. Sie blockieren Gänge mit Kinderwagen und Sitzblockaden, viele Eltern geben ihre Aufsichtspflicht mit Betreten des Ladens an uns ab, und heute hat ein Kind mit einer (versehentlich liegengelassenen) Preispistole den halben Kinderbuchtisch bearbeitet. Sowieso dekorieren Kinder sehr gern um.
Tja, und manchmal glaube ich, dass hinter der Ähnlichkeit der Worte „Tourist“ und „Terrorist“ ein tieferer Sinn steckt…
Aber nun: Endlich Wochenende! 🙂

Spinner mögen nur Oregano

Veröffentlicht: 18. August 2011 in Freizeitgestaltung, Gelaber

> „Meine Mama sagt das immer“, sage ich. „Das Leben schreibt die besten Geschichten.
Und ich frage mich dann immer, will sie mich subtil beleidigen? Ich rufe sie doch auch
nicht an und sage: Hey! Was ich sagen wollte: Mutter Natur ist doch die beste Mutter.“
<
(Marc-Uwe Kling – „Das Känguru-Manifest“ – S. 64)

Auf unserem Balkon hängt ein langer Kasten in dem verschiedene Küchenkräutern wuchern. In diesem entdeckte ich letzten Samstag auf dem Oregano eine wunderschöne Punk-Raupe mit Handtasche. Sie wanderte kurz auf den Thymian und über das Rosmarin, dann zurück zum Oregano, wo auch noch ihre Handtasche lag.

Auf dem Bild, geschossen von meinem Hausundhoffotografmitderbesserenkamera, kann man auch ihre Handtasche erkennen, die unterm Blatt klebt. Nach kurzer Recherche im Netz fand ich heraus, dass die Punkraupe ein Schlehen-Bürstenspinner ist und die Handtasche ihre zu eng gewordene Bekleidung.
Obwohl ich in diesem Sommer nur unangenehme Erfahrungen mit Raupen gesammelt habe (zweimal haben mir Raupenbanden meine Brunnenkresse ruiniert und letzte Woche kamen kalkweiße Zombiemaden aus dem Mülleimer), durfte sie bleiben. Einfach weil sie so cool aussieht und ich ein paar Blätter Oregano entbehren kann, denn aus der kleinen Pflanze vom Sommeranfang ist ein dichter Busch geworden, der für eine italienische Großfamilie reichen würde.
Zwei Tage war sie dann verschwunden. Ich ging davon aus, dass sie sich sattgefressen und verpuppt hat. Leider wird aus ihr dann kein hübscher Schmetterling, sondern ein recht langweiliger brauner Falter. Schade! Aber bei den Menschen wird ja auch gelegentlich aus dem bunten Punk irgendwann ein farbloser Anzugträger.
Doch am dritten Tag saß sie wieder da. Und ein paar Blätter unter ihr ein weiterer und größerer Bürstenspinner mit vier schokoladenbraunen Rückbürsten. Also hat sie wohl nur ihren dicken Cousin vom Bahnhof abgeholt, dachte ich. Der hat sich auch gleich ausgezogen und seine Klamotten im Oregano liegen lassen.
Einen weiteren Tag später, also gestern, sah ich, dass sie nun ein Trio sind, eine kleine Schwester ist jetzt auch mit von Partie.
Ich weiß nicht, für wieviele Spinner meine Gastfreundschaft noch reichen wird…

>„Das ist auch eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat“,  sage ich.
„Zweifelsohne“, sagt das Känguru.
„Ist doch okay“, sage ich. „Kann man mal erzählen.“
„Ja, aber man würde sich nicht unbedingt einen Film darüber ankucken
wollen“, sagt das Känguru. <
(Marc-Uwe Kling – „Das Känguru-Manifest“ – S. 65)

Seit bald einem Jahr führe ich neben meinen ganzen anderen Notiz- und Tagebüchern auch eine Art Skizzen-Tagebuch (das hier), in dem ich mich meistens mit den genialen Copic-SP-Multilinern (sauteuer, aber die Anschaffung lohnt sich!) und Aquarelltusche austobe. Wenn es voll ist, will ich auch mal so ein schickes „Durchblätter-Video“ aufnehmen. Nun dachte ich mir, dass ich ja bis dahin ab und an mal ein Bild hier zeigen kann: Das hier entstand am vergangenen Sonntag auf dem Balkon, der Blick von meiner Gammelecke aus.

Vor ein paar Wochen hab ich mir, nachdem mir das Zeichnen mittlerweile wieder so viel Spaß macht, dieses inspirierende Buch zugelegt:

An Illustrated Life“ von Danny Gregory

Danny Gregory hat sich einen Traum erfüllt und ein Buch herausgebracht, auf das er selbst sein Leben lang wartete: 50 Künstler (Illustratoren, Grafiker usw.) aus der ganzen Welt lassen sich in (und auf) ihre Skizzenbücher gucken und erzählen kurz etwas über ihr Leben und ihre Beziehung zu ihrem „Sketchbook“. Mit unter 15 Euro (Preis von 19,99$ kann mit Dollarkurs etwas schwanken) für 266 Seiten ein extrem guter Preis und eine echte Schatzkiste für Interessierte!

Oliver Kalkofe in einem großartigen und langem Interview (alle vier Teile schon online) über das Fernsehen. Welche Fehler von den deutschen Sendeanstalten gemacht werden, Vergleiche zum Ausland und ziemlich gute Empfehlungen von teils noch unbekannten Serien: Teil 1 hier (klappt nicht mit Adblock 😉 )

Und, wo ich gerade beim Thema bin, muss ich unbedingt auf die nächste Ausgabe von Fernsehkritik.tv hinweisen, die nächste Woche erscheinen soll: Da ist nämlich Serdar Somuncu zu Gast. Das wird garantiert interessant!

Posen

Veröffentlicht: 21. April 2011 in Gelaber, Gezwitschertes

Sollte es Wiedergeburt geben, war Spike in einem früheren Leben bestimmt mal ein Fotomodel. Er achtet zwar überhaupt nicht auf seine Figur, aber ist sehr geduldig, wenn man ihn fotografiert, und wechselt dabei ganz cool die Posen.

Ich war ein absolutes Kassettenkind. Zu allen Gelegenheiten habe ich Hörspielkassetten (und natürlich Bücher) geschenkt bekommen. Als Teenager hab ich dann so nach und nach meine Hörspielschätze verhökert. Aber geblieben ist die Leidenschaft für Hörspiele. Und weil wir Kassettenkinder immer noch gerne zuhören, zahlreich und kauffreudig sind, gibt es weiterhin jede Menge Hörspiele für uns. Selbst „Die drei ???“ werden nicht erwachsen und lösen weiterhin neue Fälle, nun sogar in ausverkauften Hallen.

Ein paar alte Kassetten hab ich noch. Zum Beispiel „Achtung! Rote Schlange„. Das gute Stück ist aus dem Jahr 1976, wurde oft gehört, und die Qualität ist dementsprechend miserabel – doch aus purer Nostalgie bringe ich es nicht übers Herz, sie endlich wegzuschmeißen. Aber, ein netter Mensch hat das komplette Hörspiel doch glatt in guter Qualität auf YouTube hinterlassen und ich kam nun in den Genuss, es mir nach Jahrzehnten endlich wieder anzuhören. (Übrigens gibt es auf YouTube noch sehr viel mehr alte Hörspiele zum Wiederentdecken!!!)

Natürlich ist die Geschichte so typisch für die 70er Jahre, dass sie jetzt teilweise unfreiwillig komisch klingt. Die Kinder sprechen, wie man eben früher gesprochen hat, heißen Rolf, Werner, Peter, Jürgen, Hilde und Inge, es wird Haschisch (oder war es doch nur Tabak?) mit einer Seife Pfeife geraucht, sie haben eine geheime Höhle im Wald (gibt es heute noch Kinder, die freiwillig an der frischen Luft spielen?) (ja, die Frage konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) und es geht um Toleranz und Freundschaft. Man sieht förmlich die Schlaghosen um die Waden schlackern…

Wer also Lust auf eine kleine Zeitreise hat:

Rote Schlange auf YouTube

Ja, und dann hab ich mir heute einen gebrauchten Kater gekauft. Leider hat er keine Lust, dekorativ auf dem Regal zu liegen und läuft hungrig mauzend durch die Wohnung. Ich glaub, ich werd ihn morgen wieder umtauschen. Die hatten da auch welche aus Porzellan…

(Nee, Spike hat vorhin nur mal eine neue Schlafmöglichkeit ausprobiert. ;-))

Schade eigentlich, aber meistens vergesse ich solche Kundengeschichten wieder recht schnell, aber drei aus der vergangenen Woche hab ich mir doch mal gemerkt:

Kundin spricht mich an: „Meine Tochter würde auch gerne in so einem Buchbüro wie hier arbeiten, momentan arbeitet sie noch in einem Antiquarium, das ist ja fast das Gleiche. Suchen Sie noch eine Hilfe?“

***

Kundin: „Haben Sie Blumenohren?“
Ich: „Blumenohren?“
Kundin: „Ja, Blumenohren. Die sind aus Pappe.“
Ich gebe das als Suchbegriff in unsere Bibliographie ein, während in meinem Kopf die seltsamsten Bilder von diesem unbekannten Objekt entstehen (z.B eine Pappmaske fürs Gesicht mit großen Sonnenblumen statt Ohren), bekomme aber kein Ergebnis. Bei Google erfahre ich, dass es eine Pflanze gibt, die „BlumenRohr“ heißt.
Ich erzähle das der Kundin.
Kundin: „Nein, das heißt Blumenohr. Das ist so rund, eben eine Ohr, auf der man sehen kann, wann sich die Blumen öffnen.“
Ich: “ Eine BlumenUhr also?“
Kundin: „Ja, genau, eine Blumenohr!“
Die ließ sich dann finden und bestellen.
Ja … wieder diese böse Dialektfalle … wobei ich zugeben muss, dass ich bis dahin auch noch nie von einer Blumenuhr gehört habe. 😉

***

Und noch ein kleines Dialekterlebnis, bei der ich allerdings nur Zuhörer war.
Mutter und Tochter (etwa 10 Jahre alt) betreten den Laden und gehen direkt zur Kinderbuchabteilung.
Kind: „Bekomm ich heute zwei Was?“
Mutter: „Nein, heute gibt es nur die CD.“
Kind: „Bitte! Ich will aber zwei Was!“
Mutter: „Nein, ein Was reicht.“
Letztendlich hat das Mädchen dann aber doch „zwei Was“ bekommen, nämlich eine CD und ein kleines Buch.

Sehr schön sind in diesem Zusammenhang (der sächsische Dialekt) auch die Nachfragen nach einem „Klobus“ (gruseliger dann die Frage nach gleich mehreren „Klobussen“, wobei der gebildetere Fragensteller sie doch noch „Kloben“ nennt). 😉