Archiv für die Kategorie ‘Neuerscheinungen’

Durch eine Krankschreibung und ein bisschen Urlaub hatte ich jede Menge Zeit zum Lesen. Und ich habe sie genutzt… 😉

Clockwork Angel – Die Chroniken der Schattenjäger 1“ von Cassandra Clare

Nach dem großen Erfolg der „Chroniken der Unterwelt„-Trilogie (von der im November ein vierter Teil erscheint) (womit es ab dann Tetralogie heißen muss), hat Frau Clare sich nun an die Vorgeschichte der Schattenjäger gemacht. Auch hier ist schon mal das Cover wieder der Hammer! Aber nun zum Inhalt:
Wir befinden uns im Jahre 1878. Die 16jährige Waise Tessa reist nach dem Tod ihrer Tante nach London zu ihrem Bruder. Doch dort wird sie gleich von zwei merkwürdigen Frauen entführt und eingesperrt, die behaupten, Tessa hätte das Talent zur Gestaltwandlerin und sie ausbilden wollen. Erst dann würde sie ihren Bruder wiedersehen.
Dank der Schattenjäger kann sie fliehen, aber weiß noch immer nicht, wo sich ihr Bruder befindet. Und warum sie die Gabe (oder den Fluch) hat, ihre Gstalt zu verändern.
Wieder ein spannender Lesegenuss, der nur durch zwei Punkte getrübt wurde:
1. Auch wenn die Geschichte etwas anders ist, gleichen sich die Figuren mit denen der Unterweltchroniken schon sehr. Da hätte ich mich über ein bisschen mehr Kreativität der Autorin gefreut. Handwerklich war es wieder einwandfrei, der Stil flüssig und lebendig, mit einem guten Schuss Humor.
2. Die Übersetzer hätten etwas weniger Kreativität an den Tag legen sollen. Die Wortschöpfung „Klockwerk“, die das Werk durchzieht, geht mal gar nicht! Entweder hätten sie es bei „Clockwork“ belassen sollen oder eben die normale deutsche Übersetzung „Uhrwerk“ wählen sollen.
Also wer die Unterweltchroniken mochte, wird auch mit dieser neuen Trilogie (soweit ich weiß) gut unterhalten. Natürlich bleiben am Ende dieses ersten Bandes so viele Fragen offen, dass ich jetzt schon auf den zweiten Band lauere.

***

Herr Mozart wacht auf“ von Eva Baronsky

Was wäre, wenn Mozart durch mysteriöse Umstände im heutigen Wien landen würde? Dieser Zeitreisengedanke wird sehr unterhaltsam in „Herr Mozart wacht auf“ durchgespielt.
Im Dezember 1791 liegt Mozart auf dem Sterbebett und erwacht 2006 in einem fremden Bett. Natürlich ist seine Verwirrung groß: Wo ist er hier gelandet? Die moderne Welt bietet einiges an Überraschungen! Er begreift es als Chance, sein unvollendetes Requiem zu beenden. Schnell findet er einen Freund, bei dem er unterkommen kann, und dank seines Talents auch die Möglichkeit, sich ein wenig Geld zu verdienen.
Dieser intelligente Debütroman macht wirklich Spaß!

***

Raum“ von Emma Donoghue

Hier kann ich leider noch nicht viel erzählen, denn der Roman erscheint erst im August. Nur so viel:
Ein Junge erzählt von seinem fünften Geburtstag. Er und seine Mutter leben schon immer im „Raum“. Wenn der Mann kommt, muss er sich im Schrank verstecken.
Ein psychologisch sehr spannender Roman, über ein Schicksal, ähnlich der Fälle Kampusch und Fritzl, und das Leben der Opfer nach der Freilassung.

***

Schweinehunde“ von Lotte und Soren Hammer

Zwei Kinder entdecken in einer Turnhalle fünf bestialisch ermordete Männer. Kommissar Konrad Simonsen und sein Team haben nicht nur die schwere Nuss zu knacken, was dort passiert ist, sondern auch gegen die modernen Medien zu kämpfen, die aus den Mordfällen eine Botschaft machen, die schnell zum gefährlichen Selbstläufer mutieren könnte.
Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten. Der Roman hebt sich mit dieser Thematik vom Thrillereinheitsbrei ab, denn neben der recht realistischen Recherchearbeit geht es auch um die Macht der Medien und das brisante Thema Selbstjustiz.
Ein spannender Thriller aus Dänemark, flott und flüssig geschrieben, mit interessanten Figuren, der zum Nachdenken anregt.

***

Gute Geister“ von Kathryn Stockett

Mississippi in den 60er Jahren. Jeder Weiße, der was auf sich hält, hat schwarze Hausangestellte. Skeeter, eine 22jährige weiße Frau, ist gefrustet und entsetzt, wie ihre Mutter und ihre Freundinnen mit den Angestellten umgehen. Also beschließt sie, ein Buch über das wahre Leben der schwarzen Angestellten zu schreiben. Nun brauch sie nur noch Frauen, die den Mut aufbringen, über ihre Arbeit und ihr Leben zu berichten. Was gar nicht so leicht ist, in einer Zeit, in der ein Schwarzer oft schon zu Tode geprügelt wird, wenn er nur mal die falsche Toilette benutzt.
Ein großartiger Roman und eine aufregende Geschichtesstunde! Ähnlich wie „Die Farbe Lila“ und „Grüne Tomaten“ kommt er ohne viel Kitsch und Liebesgeschichten aus, sondern erzählt mitreissend die Geschichten von drei starken Frauen in Zeiten der extrem rassistischen Südstaaten.

***

Boy 7“ von Mirjam Mous

Ein Junge erwacht in einer einsamen Gegend und weiß weder wo, noch wer er ist. Neben sich findet er nur einen Rucksack mit einem Handy. Auf der Mailbox ist eine Nachricht, von ihm selbst, die ihm rät, auf keinen Fall die Polizei zu rufen. Ein fremdes Mädchen, das gerade mit ihrem Wagen vorbei kommt, nimmt ihn mit. Aber wem kann er trauen? Und was ist passiert?
Kein Knüller, aber ein solider Jugendthriller ab 13 Jahren.

***

1Q84“ von Haruki Murakami

Hui, ein schöner dicker Murakami! Schon in dieser Ausgabe besteht er aus zwei Teilen (in Japan erschienen sie in zwei Büchern), aber erst am Ende musste ich feststellen, dass es noch einen dritten Teil gibt, der im Oktober erscheint. Das offene Ende war wirklich gemein!
Wir verfolgen abwechselnd das Leben von Aomame und Tengo, beide um die 30 Jahre alt. Aomame hat einen ungewöhnlichen Job, aber die Überraschung möchte ich keinem Leser verderben. Tengo bekommt den Auftrag, ein ungewöhnliches Manuskript zu überarbeiten. Und so geht es weiter mit ungewöhnlichen Dingen im Leben der beiden Protagonisten. Und am Himmel stehen zwei Monde, die niemand zu bemerken scheint.
Ein grandioser Lesegenuss mit über 1000 Seiten (im Teil 3 kommen noch 550 dazu), den ich im Leserausch an einem Tag durchgeschwartet habe. Absolute Empfehlung!

***

Das Ende der Geschichten“ von Scarlett Thomas

Nachdem mich ihre beiden anderen Romane „Troposphäre“ und „PopCo“ begeistert haben, wartete ich schon sehnsüchtig auf „Das Ende der Geschichten“. Aber war letztendlich etwas enttäuscht. Es las sich wie erwartet gut und war voller philosophischer Ideen, aber mir fehlte der rote Faden und damit die Spannung. Ein wiederkehrendes Thema im Roman ist die „Geschichte ohne Geschichte“, was Scarlett Thomas wohl gleich mal ausprobiert hat. Überhaupt hatte man manchmal den Eindruck, dass sich die Hauptprotagonistin Meg und die Autorin mit dem gleichen Problem rumplagen: Ich würde gern einen Roman schreiben, aber weiß noch nicht genau worüber und in welchem Stil.
Ein netter Lesestoff für Zwischendurch, wenn man die anderen Romane von ihr kennt und mag. Wer noch nichts von ihr gelesen hat, sollte lieber zur „Troposphäre“ greifen.

***

Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis

Dieser Jugendroman war eine Überraschung: Ich erwartete einen Fantasyroman (wg. Cover + Titel) und bekam eine Mischung aus Krimi und Gesellschaftsroman mit kleiner Märcheneinlage. Enttäuscht war ich nicht, denn das Ganze las sich locker und war spannend: Anna verliebt sich in den Schulaußenseiter Abel, von dem gemunkelt wird, er wäre ein Dealer. Sie findet heraus, dass er allein mit seiner kleinen Schwester lebt und freundet sich mit den beiden an. Die Mutter der Geschwister ist verschwunden und Abel wartet sehnsüchtig auf seinen 18. Geburtstag, damit das Jugendamt die beiden nicht trennen kann. Seiner kleinen Schwester (und bald ist auch Anna gespannte Zuhörerin) erzählt er nach und nach ein Märchen, in dem sich fiktive und reale Ereignisse vermischen. Auch die Morde, die in ihrem Umkreis passieren. Hat Abel etwa damit etwas zu tun?
Ein spannende Geschichte, gut geschrieben, mit der tollen Märcheneinlage, aber auch ein paar sehr zweifelhaften Aussagen für eine Teenagerlektüre. Das da geraucht wird, fand ich nicht schlimm, aber es passiert zum Beispiel eine sehr überraschende und eigentlich unverzeihliche Sache, die von Anna recht schnell hingenommen und verziehen wird. Auch die Auflösung war… hhm…

***

Der heilige Eddy“ von Jakob Arjouni

Noch ein dünnes Büchlein von Herrn Arjouni, das sich an einem Abend auf dem Balkon so weggelesen hat. Die Krimikomödie handelt von Eddy, der sich in Berlin als Trickdieb durchschlägt. Mehr durch Zufall tötet er in seinem Treppenhaus einen der meistgehassteten Prominenten Berlins, den Großverdiener Horst König. Weil dessen Bodyguarts vor der Haustür stehen, steht Eddy nun vor dem Problem: Wohin mit der Leiche?
Sehr unterhaltsamer und flüssiger Lesestoff!

***

Eine Klasse für sich“ von Scarlett Thomas

Was liegt, nach der etwas enttäuschenden Lektüre ihres letzten Romans näher, als zu ihrem ersten zu greifen? Weil ich den zum Geburtstag bekommen habe, konnte ich auch gleich anfangen. Hier war es wieder eine „Geschichte mit Geschichte“, was ich sehr begrüßt habe, leider mit weniger philosophischen Gedanken, als in ihren späteren Romanen. Was man aber von einem Thriller auch nicht unbedingt erwarten muss.
Lily kehrt nach einer zerbrochenen Beziehung zurück in ihre Heimatstadt und arbeitet dort als Dozentin für Kriminalliteratur. Noch vor ihrer Ankunft passiert ein brualer Mord an einer Studentin und kurze Zeit später stirbt ein Student. Da sie kurz vor seinem Tod noch mit ihm gesprochen hat und sich schuldig fühlt, ihn allein gelassen zu haben, beschließt sie, die Morde selbst zu aufzuklären.
Sehr spannender und unterhaltsamer Debütroman von der damals 26jährigen Scarlett Thomas (der leider momentan vergriffen ist)!

Sorry an jedes Suchmaschinenopfer, das wegen des Betreffs etwas über Fußball erwartet hat. 😉

Werbeanzeigen

So was von gut!

Veröffentlicht: 25. Mai 2011 in Literatur, Neuerscheinungen, Rezensionen, Wortschatz

So was auf YouTube

So was von da“ von Tino Hanekamp

Ich befürchte, ich bin wach. Blicke auf eine Bierflasche, in der zwei Kippen schwimmen und ein Käfer. Brutalkopfschmerz. Auf dem Heizungsrohr ein Pelz aus Staub. Extrembrechreiz. Draußen knallt’s. Schließe die Augen. Es knallt noch mal. Was für ein beschissener Anfang.“ (S. 9)

So die ersten Sätze. So die ersten Minuten des 31. Dezembers, an dem wir den 23jährigen Oskar Wrobel begleiten, vom Aufwachen bis zum Blackout (bzw. dem Epilog, der ein paar Jahre später spielt).
In der Nähe der Hamburger Reeperbahn betreibt Oskar einen Club, der am nächsten Tag für immer geschlossen wird. An diesem letzten Abend soll es nochmal richtig abgehen. Doch plötzlich hat er nicht nur mit der Organisation alle Hände voll zu tun, sondern auch mit dem brutalen Kiezkalle, der Geld von ihm möchte, eine Menge Geld!, einem besten Freund, der seinen Ruhm als Musiker nicht verkraftet, und die immer wiederkehrenden Gedanken an Mathilda, seine Exfreundin…
Sehr nett fand ich übrigens, dass „Betty Blue“ von Djian als Lieblingsbuch von Oskar und Mathilda erwähnt wird!

Ein wilder und lebendiger Roman, großartig geschrieben und so stimmungsvoll wie eine unvergessliche durchzechte Nacht! Und Tino Hanekamp weiß wovon er schreibt, denn er ist Betreiber des Musikclubs „Uebel & Gefährlich“ in Hamburg. Hier gibts ein Interview mit ihm über den Roman.
Übrigens sind die Seiten 286 – 300 mit Absicht nicht bedruckt (ich hab beim Verlag nachgefragt, weil ich zu dem Zeitpunkt noch keinen Hinweis darüber im Netz gefunden habe – hätte ja auch ein Druckfehler sein können).

Ich hatte ihn schon vor Jahren aufgegeben. Ich hatte ihm immer wieder eine neue Chance gegeben, aber konnte ihn nicht finden, weder in noch zwischen den Zeilen. Ich liebe seine Schreibmelodie, seine Melancholie, seine Leidenschaft, seine gelegentliche Überheblichkeit, den Blick für das Große im Kleinen und umgekehrt. Mir ist selten ein Autor in die Finger gekommen, dessen Schreibe so kraftvoll und lebendig war.

Und ich mag diese Absätze von ihm, wo jeder Satz mit einem „Ich“ beginnt. Sie sind wie der Refrain in einem Lied, wenn die Musik lauter und intensiver wird, die Stellen, die einem später noch am längsten im Gedächtnis nachklingen.

Eine Zeitlang dachte ich, dass man vielleicht dem Übersetzer die Schuld geben könnte. Denn die Qualität seiner Romane nahm rapide ab, als Michael Mosblech durch Uli Wittmann ersetzt wurde.
Doch es waren wohl die Geschichten, die einfach schlechter waren. Daraus kann auch der beste Übersetzer kein Kunstwerk basteln. Trotzdem hätte ich wahnsinnig gern den Vergleich gehabt! Wer weiß, was Mosblech daraus gemacht hätte…

Und nun kamen also „Die Leichtfertigen„:

Mit sechzig wollte ich von gewissen Dingen nichts mehr hören. Ich sehnte mich nach Ruhe und Frieden. Ich wollte lesen, Musik hören, am frühen Morgen in den Bergen oder am Strand spazieren gehen. Mich um Kinder kümmern, auch wenn sie mein eigen Fleisch und Blut waren, wie Judith mir gern in Erinnerung rief, interessierte mich so gut wie gar nicht mehr. Ich war auch nicht mehr der Jüngste, und ich hatte mich seinerzeit um Alice und ihre Schwester gekümmert und war überzeugt, das gesamte Spektrum der möglichen Erfahren schon gemacht zu haben – meine Zeit war kostbar, auch wenn ich praktisch keine Zeile mehr schrieb.“ (S. 6)

Schon auf den ersten Seiten wurde klar, dass dieser Roman wieder qualitativ näher an DER (ersten) Trilogie ist, dass man hier, nach den Enttäuschungen der letzten Jahre, endlich einen echten Djian in den Fingern hält.
Wieder ein Schriftsteller, der sich mit problematischen Frauen und der Arbeit an einem Roman herumschlägt. Er wohnt am Meer. Er ist nicht mehr Mitte 30 und heißt Philippe/Zorg, sondern 60 Jahre alt und heißt Francis. Seine Frau und seine Tochter sind vor ein paar Jahren bei einem Autounfall verunglückt, seine andere Tochter ist plötzlich verschwunden und hinterlässt einen Ehemann und Zwillinge, die zwischenzeitlich bei ihm unterkommen, und er befürchtet, dass seine zweite Frau eine Affäre hat. Dann ist da noch die von ihm beauftragte Privatdetektivin und ihr Sohn, der einen Tankstellenangestellten ermordet haben soll…
Und Francis möchte eigentlich nur endlich in Ruhe seinen Roman schreiben.

Vielleicht könnte man Djians neuen Roman mit einem Wein vergleichen: Er ist nicht mehr so federleicht und fruchtig wie früher, sondern etwas schwerer und trockener, aber auf jeden Fall ein Genuss!

Prost!

Kürzlich habe ich dann auch endlich gepostet, dass einige Werke von Stephen King verfilmt werden, nun kann ich gleich nachlegen, dass die beiden Romane seines Sohnes Joe Hill ebenfalls zur Zeit als Filmvorlagen dienen.
In „Heart Shaped Box“ (deutscher Buchtitel war „Blind„) geht es um einen in die Jahre gekommenen Rockstar, der kuriose Horrorgegenstände sammelt und einen Geist im Internet ersteigert.
In „Horns“ (deutscher Buchtitel war „Teufelszeug“ – Rezi von mir dazu hier) erwacht ein Mann nach einer durchzechten Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn, was eine merkwürdige Wirkung auf die Menschen in seiner Umgebung hat…
Ich war von beiden Romanen sehr begeistert und bin darum natürlich mordsgespannt, was aus den Verfilmungen wird!

Und noch eine Geschichte über einen Vater und einen Sohn, aber hier geht es um nur ein Buch und eine TV-Serie, nämlich „Sh*t – Ansichten meines Dads“ von Justin Halpern. Dank eines denkbar schlechten Timings des Schicksals musste Justin Halpern mit 28 wieder bei seinen Eltern einziehen. Sein 73 jähriger Vater ist das, was man gerne ein „echtes Original“ (was ja eigentlicht doppeltgemoppelt ist, gibt es denn ein unechtes Original?) nennt, jemand, der ohne Rücksicht auf Verluste immer laut seine Meinung sagt und sich einen Dreck um politische Korrektheit schert. Eines Tages hat Justin angefangen, die Sprüche seines Vaters bei Twitter zu posten. Innerhalb kurzer Zeit schoß die Zahl seiner Abonnenten in Höhe und ein Verlag fragte nach, ob er nicht ein Buch über seinen Vater schreiben möchte.
Er wollte.
Und ich hab es nun gelesen.
Und hab mich bestens unterhalten gefühlt!
Zwischen den kurzen Geschichten aus dem Leben der Halperns gibt es immer ein paar Seiten mit Sprüchen seines Vaters:

Menschenkenntnis
Dir werden im Laufe deines Lebens viele Wichser begegnen, aber denk dran: Die Frage ist nicht, wie groß das Arschloch ist, sondern wie viel Scheiße rauskommt.

Mein erster Joint
Ziemlich gut, was? … Im Ernst? Also, da gehen unsere Ansichten entschieden auseinander. Aber wehe, du erzählst das deiner Mutter. Sag ihr, ich hätte dir die Leviten gelesen und dich einen Volltrottel genannt. Nein, sag ihr am besten gar nichts. Siehst du, jetzt werde ich schon ganz paranoid, dabei habe ich gar nichts geraucht.“

Zigarren
Du bist einfach kein Zigarrentyp … Wie ich darauf komme? Mein Gott, du hälst das Ding, als ob du einer Maus einen runterholen würdest.“

Bush oder Gore?
Gore ist zwar ein ziemlich aufgeblasenes Arschloch, aber immer wenn ich Bush sehe, habe ich das Gefühl, der hat sich letztes Jahr in die Hose gekackt und schämt sich deswegen noch heute.

Modische Frisuren
Kann deinen Altersgenossen nicht mal jemand beibringen, wie man sich die Haare kämmt? Das sieht ja aus, als hätten sie zwei vögelnde Eichhörnchen auf dem Kopf.

Natürlich bietet sich der Stoff als Sitcom an, also folgte die, mit William Shatner als Vater, recht bald. Hier mal ein Info-Trailer:

My Dad auf YouTube

Beat News!

Veröffentlicht: 13. März 2011 in Beats, Bewegte Bilder, Literatur, Neuerscheinungen, Wortschatz

Auf den ersten Versionen von Mardou.de war die Beat Generation das Hauptthema, da ist es eigentlich eine Schande, dass so einige (teilweise auch nicht mehr ganz frische) News hier noch nicht aufgetaucht sind:

Die schon seit Jahrzehnten geplanteVerfilmung von Jack Kerouacs „On the Road (Unterwegs)“ nimmt immer mehr Gestalt an. Und hier gibt es sogar schon erste Bilder. Allerdings sind diese Artikel schon ein paar Monate alt… Doch wer weiß, es gab wohl bereits erste Drehtage, und vielleicht kommt der Film wirklich dieses oder nächstes Jahr ins Kino?

Bereits im Kino lief/läuft „Howl„, ein Film über das berühmte Gedicht von Allen Ginsberg, welches damals einen Skandal auslöste. In dem Film geht es wohl um die Gerichtsverhandlungen, wo Ginsberg und sein Verleger Ferlinghetti Ende der 50er Jahre dem prüden Amerika Rede und Antwort stehen müssen.
Ja, ich hab ihn noch nicht gesehen, aber das hol ich schon noch nach. Hier ein paar Einblicke:

Howl auf YouTube

Auch für das Bücherregal gibt es neue Schätze:

On the Road – Die Urfassung“ von Kerouac kam im September 2010 und liegt seit dem ungelesen in meinem Beats-Fach im Arbeitszimmer. Ich hab mich noch nicht rangewagt, wohl auch, weil ich die alte Übersetzung so mochte, wie sie war. Aber „Früher war alles besser“ ist selten die richtige Einstellung, also bin ich ziemlich sicher, dass ich es bald lesen werde. Ich warte nur noch auf besseres Wetter, denn es ist schon eines der Bücher, das man an der frischen Luft lesen sollte.
Diese Urfassung hält sich nun eng  an das Manuskript auf der legendären 40 Meter langen Papierrolle, das Kerouac zwischen dem 2. und 22. April 1951 geschrieben hat. Die von ihm selbst später vorgenommenen Änderungen und Kürzungen wurden wieder rückgängig gemacht. Und natürlich ist es, in unserem Falle, auch noch mal neu übersetzt wurden.

Hier mal ein Vergleich der ersten Zeilen:

(1959/1998) „Ich begegnete Dean das erste Mal nicht lange nachdem meine Frau und ich uns getrennt hatten. Damals hatte ich gerade eine schwere Krankheit hinter mir, über die ich hier nicht weiter reden will, außer daß sie etwas mit der elend lästigen Trennung zu tun hatte und mit meinem Gefühl, daß alles tot war. Mit Dean Moriarty begann der Teil meines Lebens, den man mein Leben unterwegs nennen könnte. Davor hatte ich oft davon geträumt, in den Westen zu gehen und mir das Land anzusehen, hatte vage Pläne geschmiedet – und war nie gestartet.“

(2007/2010) „Zum ersten Mal traf ich Neal, kurz nachdem mein Vater gestorben war … Ich hatte gerade eine schwere Krankheit hinter mir, von der ich gar nicht groß reden will, bloß dass sie mit dem Tod meines Vaters zu tun hatte und mit dem scheußlichen Gefühl, dass alles tot war. Mit Neals Auftauchen begann so richtig der Teil meines Lebens, den man mein Leben auf der Straße nennen kann. Vorher hatte ich immer davon geträumt, nach Westen zu gehen, das Land zu sehen, hatte immer vage Pläne gemacht, war dann aber nie wirklich losgekommen und so.“

The Beats – Die Geschichte der Beat Generation – Eine Graphic Novel“ ist im November 2010 erschienen.
Mehrere Zeichner haben sich der Beats und ihrer Lebensgeschichte angenommen. Leider schwangt die Qualität der Beträge und ich muss sagen, dass ich es (alle paar Wochen mal ein paar Seiten – bin etwa zur Hälfte durch) mit gemischten Gefühlen lese. Wenn man sich mit dem Thema gut auskennt, wirken die „Comics“ (da die Herausgeber selbst von „Comics“ sprechen, darf ich das also auch 😉 ) manchmal unfreiwillig komisch (aber nicht wirklich lustig) oder befremdlich. Aber interessant sind die verschiedenen Interpretationen und diese Zeitreise an sich allemal!

 

Mein Bruder, die See“ von Kerouac in diesem Monat.
Ein bisher unveröffentlichtes Buch über seine Zeit bei der Marine. Mit Fotografien von verschiedenen Fotografen.

 

Lebendiger Buddha“ von Kerouac ebenfalls in diesem Monat.
Eine neu entdeckte Biographie, die Kerouac über Siddhartha Gautama geschrieben hat.

 

Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“ von Kerouac und Burroughs kommt im September 2011 als Taschenbuch (das Hardcover gibt es schon seit Februar 2010).
Ein Roman über einen Seemann, einen Privatdetektiv und einen Mord, der im New York der 40er Jahre spielt und den Kerouac und Burroughs einst gemeinsam geschrieben haben.
Das Taschenbuch hab ich mir jetzt mal bestellt.