Archiv für die Kategorie ‘Rezensionen’

Ich hatte ihn schon vor Jahren aufgegeben. Ich hatte ihm immer wieder eine neue Chance gegeben, aber konnte ihn nicht finden, weder in noch zwischen den Zeilen. Ich liebe seine Schreibmelodie, seine Melancholie, seine Leidenschaft, seine gelegentliche Überheblichkeit, den Blick für das Große im Kleinen und umgekehrt. Mir ist selten ein Autor in die Finger gekommen, dessen Schreibe so kraftvoll und lebendig war.

Und ich mag diese Absätze von ihm, wo jeder Satz mit einem „Ich“ beginnt. Sie sind wie der Refrain in einem Lied, wenn die Musik lauter und intensiver wird, die Stellen, die einem später noch am längsten im Gedächtnis nachklingen.

Eine Zeitlang dachte ich, dass man vielleicht dem Übersetzer die Schuld geben könnte. Denn die Qualität seiner Romane nahm rapide ab, als Michael Mosblech durch Uli Wittmann ersetzt wurde.
Doch es waren wohl die Geschichten, die einfach schlechter waren. Daraus kann auch der beste Übersetzer kein Kunstwerk basteln. Trotzdem hätte ich wahnsinnig gern den Vergleich gehabt! Wer weiß, was Mosblech daraus gemacht hätte…

Und nun kamen also „Die Leichtfertigen„:

Mit sechzig wollte ich von gewissen Dingen nichts mehr hören. Ich sehnte mich nach Ruhe und Frieden. Ich wollte lesen, Musik hören, am frühen Morgen in den Bergen oder am Strand spazieren gehen. Mich um Kinder kümmern, auch wenn sie mein eigen Fleisch und Blut waren, wie Judith mir gern in Erinnerung rief, interessierte mich so gut wie gar nicht mehr. Ich war auch nicht mehr der Jüngste, und ich hatte mich seinerzeit um Alice und ihre Schwester gekümmert und war überzeugt, das gesamte Spektrum der möglichen Erfahren schon gemacht zu haben – meine Zeit war kostbar, auch wenn ich praktisch keine Zeile mehr schrieb.“ (S. 6)

Schon auf den ersten Seiten wurde klar, dass dieser Roman wieder qualitativ näher an DER (ersten) Trilogie ist, dass man hier, nach den Enttäuschungen der letzten Jahre, endlich einen echten Djian in den Fingern hält.
Wieder ein Schriftsteller, der sich mit problematischen Frauen und der Arbeit an einem Roman herumschlägt. Er wohnt am Meer. Er ist nicht mehr Mitte 30 und heißt Philippe/Zorg, sondern 60 Jahre alt und heißt Francis. Seine Frau und seine Tochter sind vor ein paar Jahren bei einem Autounfall verunglückt, seine andere Tochter ist plötzlich verschwunden und hinterlässt einen Ehemann und Zwillinge, die zwischenzeitlich bei ihm unterkommen, und er befürchtet, dass seine zweite Frau eine Affäre hat. Dann ist da noch die von ihm beauftragte Privatdetektivin und ihr Sohn, der einen Tankstellenangestellten ermordet haben soll…
Und Francis möchte eigentlich nur endlich in Ruhe seinen Roman schreiben.

Vielleicht könnte man Djians neuen Roman mit einem Wein vergleichen: Er ist nicht mehr so federleicht und fruchtig wie früher, sondern etwas schwerer und trockener, aber auf jeden Fall ein Genuss!

Prost!

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Kürzlich habe ich dann auch endlich gepostet, dass einige Werke von Stephen King verfilmt werden, nun kann ich gleich nachlegen, dass die beiden Romane seines Sohnes Joe Hill ebenfalls zur Zeit als Filmvorlagen dienen.
In „Heart Shaped Box“ (deutscher Buchtitel war „Blind„) geht es um einen in die Jahre gekommenen Rockstar, der kuriose Horrorgegenstände sammelt und einen Geist im Internet ersteigert.
In „Horns“ (deutscher Buchtitel war „Teufelszeug“ – Rezi von mir dazu hier) erwacht ein Mann nach einer durchzechten Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn, was eine merkwürdige Wirkung auf die Menschen in seiner Umgebung hat…
Ich war von beiden Romanen sehr begeistert und bin darum natürlich mordsgespannt, was aus den Verfilmungen wird!

Und noch eine Geschichte über einen Vater und einen Sohn, aber hier geht es um nur ein Buch und eine TV-Serie, nämlich „Sh*t – Ansichten meines Dads“ von Justin Halpern. Dank eines denkbar schlechten Timings des Schicksals musste Justin Halpern mit 28 wieder bei seinen Eltern einziehen. Sein 73 jähriger Vater ist das, was man gerne ein „echtes Original“ (was ja eigentlicht doppeltgemoppelt ist, gibt es denn ein unechtes Original?) nennt, jemand, der ohne Rücksicht auf Verluste immer laut seine Meinung sagt und sich einen Dreck um politische Korrektheit schert. Eines Tages hat Justin angefangen, die Sprüche seines Vaters bei Twitter zu posten. Innerhalb kurzer Zeit schoß die Zahl seiner Abonnenten in Höhe und ein Verlag fragte nach, ob er nicht ein Buch über seinen Vater schreiben möchte.
Er wollte.
Und ich hab es nun gelesen.
Und hab mich bestens unterhalten gefühlt!
Zwischen den kurzen Geschichten aus dem Leben der Halperns gibt es immer ein paar Seiten mit Sprüchen seines Vaters:

Menschenkenntnis
Dir werden im Laufe deines Lebens viele Wichser begegnen, aber denk dran: Die Frage ist nicht, wie groß das Arschloch ist, sondern wie viel Scheiße rauskommt.

Mein erster Joint
Ziemlich gut, was? … Im Ernst? Also, da gehen unsere Ansichten entschieden auseinander. Aber wehe, du erzählst das deiner Mutter. Sag ihr, ich hätte dir die Leviten gelesen und dich einen Volltrottel genannt. Nein, sag ihr am besten gar nichts. Siehst du, jetzt werde ich schon ganz paranoid, dabei habe ich gar nichts geraucht.“

Zigarren
Du bist einfach kein Zigarrentyp … Wie ich darauf komme? Mein Gott, du hälst das Ding, als ob du einer Maus einen runterholen würdest.“

Bush oder Gore?
Gore ist zwar ein ziemlich aufgeblasenes Arschloch, aber immer wenn ich Bush sehe, habe ich das Gefühl, der hat sich letztes Jahr in die Hose gekackt und schämt sich deswegen noch heute.

Modische Frisuren
Kann deinen Altersgenossen nicht mal jemand beibringen, wie man sich die Haare kämmt? Das sieht ja aus, als hätten sie zwei vögelnde Eichhörnchen auf dem Kopf.

Natürlich bietet sich der Stoff als Sitcom an, also folgte die, mit William Shatner als Vater, recht bald. Hier mal ein Info-Trailer:

My Dad auf YouTube

Ich bin ja guter Dinge, dass ich jetzt häufiger Rezensionen schreibe, damit sich nicht immer so ein Berg anhäuft, und darum kommt hier ganz frisch die „Verwesung“ von Simon Beckett:

(Achtung, Spoiler!)

Nachdem ich die anderen drei Fälle von dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter recht begeistert gelesen habe, hab ich mich auf die „Verwesung“ gefreut. Aber irgendwie hatte ich schon beim Klappentext das Gefühl, das ganze Buch zu kennen, ohne es gelesen zu haben:

Dr. David Hunters schwierigster Fall

Drei Mädchen sind verschwunden. Ein Serienkiller gesteht. Doch Jerome Monk weigert sich zu verraten, wo er die Leichen vergraben hat. Auch David Hunters Einsatz bringt keine Ergebnisse.

Ach Jahre später: Monk bricht aus dem Gefängnis aus.
Für David Hunter beginnt ein Albtraum.
Denn die Dämonen der Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe…

Meine Vermutung war nun: Serienkiller verfolgt Hunter, bekommt ihn im letzten Drittel in seine Gewalt und es gibt noch irgendeine Überraschung, aber am Ende ist wieder alles supi.
Und so war es dann eigentlich auch:
Hunter und eine Psychologin, die damals auch bei der Suche nach den Leichen im Moor dabei war, werden von Monk verfolgt, er bekommt die beiden im letzten Drittel seine Gewalt, dann gibt es eine Überraschung und am Ende ist zwar nicht alles ganz supi, aber doch wieder Frieden in Walnut Grove Dartmoor.

Warum ich ihn trotzdem ausgelesen habe: Natürlich wollte ich wissen, ob ich Recht behalte. 😉
Aber das war nicht der einzige Grund, denn Beckett ist ein guter und routinierter Schreiber, Dr. David Hunter eine sympathische und dreidimensionale Figur und er hat es (trotz voraussehbarer Handlung) wieder geschafft, eine düstere und atmosphärische Spannung über den ganzen Roman zu halten.

Empfehlenswert nur für Fans von Becketts Hunter-Reihe, die ihn sich ohnehin von allein holen werden. Neueinsteiger sollten sich lieber die „Chemie des Todes“ vornehmen.

Jetzt habe ich übrigens den neuen Djian („Die Leichtfertigen„) angefangen … und … JA! Endlich mal wieder ein Roman von ihm, der an seine erste und unübertroffene Trilogie („Erogene Zone„, „Betty Blue“ und „Verraten und verkauft„) erinnert, auch wenn der Ich-Erzähler nicht Zorg ist und fast doppelt so alt, doch zumindest ist er ein Bruder im Geiste. Ich werde berichten, wenn ich ihn ausgelesen habe!

Read Sixteen

Veröffentlicht: 2. März 2011 in Jugendbuch, King, Rezensionen, Sachbuch, Thriller/Horror, Wortschatz

Hier folgen nun meine ausgelesenen Bücher der vergangenen Monate. Da hat sich wieder einiges angesammelt… Damit der Eintrag nicht ganz so lang wird, werde ich mich kurzfassen. 😉

Der Professor“ von John Katzenbach
Mein erster Katzenbach war ein echt gelunger Thriller: Ein pensionierter Psychologieprofessor hat gerade erfahren, dass er an einer aggressiven Form von Demenz leidet und plant nun seinen Suizid. Doch als er Zeuge einer Entführung wird, verschiebt er seinen Plan und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an. Die junge Frau wird, wie der Leser erfährt, von einem Ehepaar festgehalten, das eine zahlende Internetgemeinschaft daran teilhaben lässt.
Gut geschrieben, spannende Handlung.

Hello Kitty muss sterben“ von Angela S. Choi
Im Klappentext wird Choi als eine Mischung aus Clive Barker und Chuck Palahniuk beschrieben, das hat mich natürlich sofort gereizt! Ähnlichkeiten zu Barker hab ich vergeblich gesucht… aber dem Vergleich mit Palahniuk konnte ich freudig zustimmen und weiß jetzt schon, dass ich jedes weitere Buch von ihr lesen werde!
Fiona ist 28, Jungfrau, und lebt noch bei ihren altmodischen Eltern, die ihr ständig neue potentielle Ehemänner vorstellen. In China wäre das vielleicht normal, aber in San Francisco fühlt sich Fiona davon mehr als genervt. Der Zufall (in Form einer nicht gelungenen Selbstentjungferung) will es, dass sie einen alten Schulfreund wiedertrifft, der mittlerweile Schönheitschirurg geworden ist. Während sie sich im Waschsalon ihrer Eltern einen Spaß daraus macht, mit ein bisschen Lippenstift die Ehen ihrer Kunden zu zerstören, widmet sich Sean in seiner Freizeit einem ganz anderen Hobby: Er bringt gern Frauen um.
Die beiden sind schnell wieder ein Herz und eine Seele, und manchmal kann es ja auch ganz praktisch sein, einen Serienkiller zum Freund zu haben…
Rabenschwarz, bitterböse und sehr unterhaltsam!

Angerichtet“ von Herman Koch
Fast schon ein Kammerspiel: In einem teuren Restaurant sitzen zwei Ehepaare, die Männer sind Brüder, und unterhalten sich. Doch irgendwas liegt in der Luft… und so nach und nach kommt durch Rückblicke heraus, dass die Söhne der beiden Paare etwas Schreckliches getan haben. Und wer der vier Personen am Tisch wieviel davon weiß. Was anfänglich wie eine Satire über die gehobene Gastronomie wirkt, wandelt sich zu einem spannenden Psychodrama über das Thema: Wie weit gehen Eltern für ihr Kinder und wie dehnbar ist dabei die Moral?
Sehr lesenswert!


Zwischen Nacht und Dunkel“ von Stephen King
Der King lebt! Ich hab ja eine Enttäuschung befürchtet, denn Novellen sind nicht seine Stärke und „Die Arena“ war auch nicht so der Knaller. Aber diese vier Novellen waren die reinsten Delikatessen!
„1922“: Ein Mann überredet seinen Sohn, gemeinsam die Mutter umzubringen.
„Big Driver“: Eine Schriftstellerin rächt sich nach einer Vergewaltigung.
„Faire Verlängerung“: Ein Todkranker bekommt die Chance einer Lebensverlängerung, die natürlich ihren Preis hat.
„Eine gute Ehe“: Eine Frau kommt hinter das schreckliche Doppelleben ihres Mannes.
Erstklassiges Kopfkino!!!

Das Wesen“ von Arno Strobel
Ein Psychothriller. Aber irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Der erste Roman des Autors, „Der Trakt„, hat mir da besser gefallen.
Zwei Kommissare haben vor 15 Jahren einen Mann verhaftet, der ein Kind ermordet haben soll. Dieser ist nun aus dem Gefängnis entlassen worden und schon wieder verschwindet ein Kind.
Kann man lesen.

Harold“ von Einzlkind
Ein schräger Roman! Der Einzelgänger Harold (der, wie sein berühmter Namensvetter, gern Selbstmorde inszeniert) muss ein paar Tage auf ein Nachbarskind aufpassen. Doch der 11jährige Melvin ist kein normaler Junge, er ist irgendwas zwischen Genie und altkluger Nervensäge, und bringt Harold immer wieder in die absurdesten Situationen. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Melvins Vater.
Sehr britischer Humor von einem unbekannten deutschen Autor. Unterhaltsam!

Adams Erbe“ von Astrid Rosenfeld
Was für ein Debütroman! Er erzählt eigentlich zwei Geschichten, die aber doch zusammengehören: Da ist Edward, der ohne leiblichen Vater aufwächst und sein ganzes Leben lang immer mit seinem Großonkel Adam verglichen wird, über den er aber kaum etwas in Erfahrung bringen kann, nur, dass er sowas wie das scharze Schaf der Familie war. Doch nach dem Tod seiner jüdischen Großmutter findet er ein Buch, in dem Adam seine Geschichte erzählt. Darüber, wie er sich während des Krieges als Rosenzüchter getarnt ins Wahrschauer Ghetto eingeschlichen hat, um dort seine große Liebe Anna zu finden.
Wow, großartig geschrieben und eine ergreifende Geschichte!


Fratze“ von Chuck Palahniuk
Dieses Frühwerk ist nun endlich auch in Deutschland erschienen und vom Stil her „Fight Club“ noch ähnlicher, als seine späteren Romane. Aber wie immer gilt: Nichts ist so wie es scheint, nein, es ist noch viel schräger und schlimmer.
Nach einem Unfall ist das Gesicht von Model Shannon nur noch eine Fratze und ihr Leben ein Albtraum, bis sie der Drag Queen Brandy Alexander begegnet und mit ihr auf Reisen geht.
Obwohl das Buch mit dem Ende der Geschichte beginnt und der Weg zur letzten Seite nur aus wilden Zeitsprüngen besteht, erfährt man erst dann, wie/wer/was Wirklichkeit ist. Unglaublich, wie geschickt Palahniuk die Fäden in dieser Geschichte gesponnen hat und sich am Ende alles auflöst!
Wie alle seine Romane eine radikale, skurrile Satire und keine leichte Kost!

Tschick“ von Wolfgang Herrndorf
Maik ist 14 Jahre alt, unglücklich verliebt, und hat ziemlich einsame Ferien am heimischen Pool vor sich: Seine Mutter muss in die Entzugsklinik und sein Vater ist mit der Sekretärin auf Geschäftsreise. Plötzlich steht sein Mitschüler Tschick vor der Tür, mit dem niemand was zu tun haben will, weil er als “ russischer Assi“ gilt. Und plötzlich sitzen die beiden gemeinsam in einem geklauten Auto auf dem Weg in die Walachei.
„On the Road“ in Deutschland, ein großartiger Roman für alle Menschen ab 14, der gut geschrieben und sehr unterhaltsam ist!

Tag der geschlossenen Tür“ von Rocko Schamoni
Der zweite Roman über Michael Sonntag, über den ich hier schon mal geschrieben habe (nämlich die „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit„). Sonntag ist ein bisschen älter geworden, wohl auch etwas weniger depressiv, aber lebt sein Leben weiterhin nach seinen eigenen Regeln: Er schreibt hin und wieder schräge Artikel für eine Zeitung oder aus Spaß Manuskripte, die er an verschiedene Verlage schickt, nur um die Absagen zu sammeln. Oder er stellt sich einfach selbst in einem Museum als Wächter ein. Er unterhält sich mit einer toten Fliege, die er in einer Streichholzschachtel mit sich herumträgt. Und der perfekte Ort für eine Verabredung zum Essen ist natürlich ein Wartezimmer beim Arzt.
Schamoni ist einfach absolut lesenswert!

Glanz“ von Karl Olsberg
Leider ist der Thriller noch nicht erschienen und ich darf erst dann darüber schreiben… Nur so viel: Der 14jährige Eric hat unter Drogen ein Computerspiel gespielt und ist ins Koma gefallen. Seine Mutter findet eine Möglichkeit, in seine „Koma-Computerspiel-Wirklichkeit“ zu gelangen.
Im Internet gibt es dann Möglichkeiten, alternative Enden zu lesen.

Horror als Alltag – Texte zu Buffy the Vampir Slayer“ von D. Dath, L. Quadfasel, C. Dehnert u. a.
Dieses Buch enthält neun teils sehr analytische Aufsätze über die TV-Serie „Buffy„. Allerdings kann man damit nur etwas anfangen, wenn man alle 7 Staffeln gesehen hat. Ich fand die verschiedenen Ansichten und Interpretationen sehr interessant, aber es hat mich total genervt, dass es häufig solche Ausdrücke wie „Zuschauer_innen“, „Mitstreiter_innen“ zu lesen gab. Ich find Gleichberechtigung gut und wichtig, aber man muss es ja nicht übertreiben. Wenn ich eine Katze seh, nenn ich sie Katze, auch wenn es ein Kater sein könnte (das sieht man ja nicht auf den ersten Blick). Für mich heißt es eben „Die Katze“ und „Der Zuschauer“. Basta. Wer also mit diesem überflüssigen „Schreibstatement“, vielen Fußnoten und teilweise recht langen verschachtelten Sätzen leben kann UND Fan der Serie ist, dem kann ich das Buch sehr empfehlen!

Heimstraße 52“ von Selim Özdogan
Hier haben wir die Fortsetzung von „Die Tochter des Schmieds„. In den 70ern ist Gül ihrem Mann nach Deutschland gefolgt, wo vieles anders ist, als in der Türkei. Besonders, wenn man kein Deutsch kann und der Mann die meiste Zeit außer Haus zum Arbeiten oder Trinken ist oder schläft. Als sie selbst Arbeit hat und endlich ihre Töchter zu sich holen darf, hofft sie darauf, dass endlich das bessere Leben beginnen kann…
Ein sehr gut geschriebener (aber von Özdogan hab ich auch gar nichts anderes erwartet) und warmherziger Roman über das Leben in Deutschland und der Türkei und den Begriff Heimat.
Absolute Leseempfehlung!

Die facebook-Falle“ von Sascha Adamek
An facebook kommt zur Zeit ja niemand vorbei, aber was steckt dahinter? Bevor ich mich nun anmelde, dachte ich mir, ich mach mich einfach mal schlau. Und, dass ich mich bisher immer noch nicht angemeldet habe, spricht dann wohl für sich. Eigentlich bietet dieses Buch so viele Informationen, dass ich einen eigenen Beitrag darüber schreiben wollte. Vielleicht hole ich das noch nach, Stoff gäbe es reichlich!
Dass man diese Plattform nicht zu leichtsinnig nutzen sollte, wird wohl jedem mit einem IQ über Zimmertemperatur klar sein.
Auch hier eine klare Leseempfehlung – egal ob man schon Mitglied ist oder, wie ich, noch skeptisch! Und es ist so interessant geschrieben, dass ich es an einem Tag gelesen habe.

Der Menschenmacher“ von Cody McFadyen
Ein neuer McFadyen ohne Smoky Barrett? Und trotzdem ein spannender Knaller? Ja! Ja!
Wie seine FBI-Reihe ist auch dieser Roman wirklich harte Kost, aber mordsmäßig spannend! Hier geht es um drei Kinder, die von einem Mann adoptiert und eingesperrt werden, um aus ihnen die perfekten Menschen zu machen. Und das mit äußerst radikalen und schmerzhaften Mitteln. Nach Jahren schaffen sie es, ihn zu töten und sich zu befreien. Doch so eine Kindheit hinterlässt ihre Spuren: Einer ist Schriftsteller geworden und hat eine Organisation gegen Kindesmissbrauch gegründet, der andere bringt als Auftragskiller Kinderschänder um und aus dem Mädchen wurde eine FBI-Agentin. Die drei haben sich mehr oder weniger aus den Augen verloren, bis sie plötzlich gleichzeitig von einem Unbekannten an ihre Vergangenheit erinnert und bedroht werden.
Irre spannend, wahnsinnnig gut!

Schweigt still die Nacht“ von Brenna Yovanoff
Wie ergeht es einem Wechselbalg, der zum Teenager wird?
In der Kleinstadt Gentry ist der plötzliche Kindstod keine Seltenheit. Auch Mackie hätte eigentlich als Kleinkind sterben müssen, nachdem er nämlich gegen den echten Mackie ausgetauscht wurde. Doch er wurde einfach immer älter und seine Familie hat ihn so akzeptiert, wie er ist. Z.B. mit einer extremen Überempfindlichkeit gegen Eisen. Auch, dass er als Pfarrerssohn die Kirche und den Friedhof nicht betreten kann. Er findet heraus, dass unter der Stadt zwei verfeindete Schwestern leben, die für das Kindersterben verantwortlich sind, und er erfährt auch, woher er kommt.
Ja… ein netter düsterer Jugendroman. (An dem das Beste das Cover ist 😉 )

So Leute, das war es erstmal… ich hoffe, ich kann meinen Schweinehund dazu bringen, regelmäßiger zu schreiben, damit nicht wieder so ein Stapel anwächst! 😉