Archiv für die Kategorie ‘Thriller/Horror’

… aus Deutschland:

Das Wörterbuch des Viktor Vau“ von Gerd Ruebenstrunk

Professor Viktor Vau ist ein Einzelgänger mit leicht autistischen Zügen. Von einigen Kollegen belächelt, setzt er Sprache zur Behandlung von Geisteskrankheiten ein. Aus persönlicher Leidenschaft heraus hat er eine eigene Sprache entwickelt, die keine Ungenauigkeiten zulässt. Denn: „Es ist seit jeher eines der großen Probleme der Wissenschaften, dass wir in einer Sprache gefangen sind, die nur unzureichend in der Lage ist, die Wirklichkeit detailgetreu wiederzugeben. Das beginnt bei einfachen Alltagsbegriffen. Nehmen wir das Wort Amsel. Was ist damit gemeint? Eine männliche Amsel, eine weibliche Amsel oder ein Amselküken? Und was bedeutet der Satz >Siehst du die Amsel dort?<? Wo ist dort? Sitzt die Amsel oder fliegt sie? All das kann unsere Sprache nicht erfassen.“ (S.38)
Seine Sprache kann das.

Eines Tages landet eine Raumkapsel in Afrika, deren Ursprung unbekannt ist. Sie besteht aus auf der Erde unbekannten Substanzen und enthält eine Botschaft in einer rätselhaften Schrift. Zahlreiche Wissenschaftler rücken an, darunter auch Viktor Vau. Und dieser muss feststellen, dass es sich dabei um seine Schrift handelt, die bis jetzt niemand außer ihm selbst kennt. Noch erschreckender ist, was er dort nun lesen muss…
Mehr kann man jetzt gar nicht erzählen, ohne zu viel zu verraten. Es bleibt die Frage, was es mit der Kapsel auf sich hat, ob sie von Ausserirdischen stammt oder aus der Zukunft oder ob es eine ganz andere Lösung gibt. Erwähnenswert ist auch noch, dass die Geschichte nicht in unserer Gegenwart spielt, sondern in einem zukünftigen Überwachungsstaat, in dessen Visier nun Viktor Vau gerät.

Spannend, intelligent, philosophisch, lehrreich (es gibt einige sehr aufschlussreiche Informationen über die Sprache und das Gehirn), also klare Leseempfehlung!

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Die Stadt“ von Andreas Brandhorst

Andreas Brandhorst kannte ich bisher nur als Übersetzer der Pratchett-Romane. Aber in Zukunft werde ich bestimmt noch einige seine eigenen Romane lesen, denn dieser hier hat mir sehr gefallen!

An seinem vierzigsten Geburtstag stirbt Benjamin. Er kann sich nur noch an einen Autounfall erinnern, bei dem auch seine Frau ums Leben kam, und erwacht ohne sie in einer grauen Stadt. Eine Frau namens Louise begrüßt ihn mit den Worten: „Willkommen im Jenseits.“
Alle Menschen, denen er begegnet, sind Verstorbene, aber keiner weiß eine sichere Antwort auf die Frage, wo sie sich befinden. Ist das das Paradies? Immerhin gibt es einen Supermarkt, der sich von selbst neu auffüllt. Eine dort herrschende Gemeinschaft geht davon aus, dass sie sich in einer Art Limbus befinden, in dem erst noch entschieden wird, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt. Es gibt auch Theorien über Ausserirdische, die sie für ein Experiment benutzen. Vielleicht liegt er aber im Koma und träumt das alles nur?
Umgeben ist die Stadt von einem Nebel, in dem sich gefährliche Schattenwesen verbergen und ihn dadurch undurchdringlich machen. Sie sind also eingeschlossen und wissen nicht, was sich dahinter verbirgt.
Benjamin möchte sich nicht mit den Vermutungen abgeben und will herausfinden, wo er nun ist. Und wo ist seine Frau? Doch neugierige Fragen sind in der Gemeinschaft nicht erwünscht.

Auch hier eine großartige, intelligente und spannende Mischung aus Thriller und Fantasy-Roman, mit viel Philosophie und Psychologie, ebenfalls ganz klare Leseempfehlung!

Übrigens haben beide Romane ein überraschendes und befriedigendes Ende – was ja leider nicht immer der Fall ist. 😉

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Eigentlich keine Neuigkeit, wenn es sich denn um das „RTL Dschungelcamp“ mit seinen gruseligen Gästen handeln würde, aber ich meine den neuen Roman von Brian Keene, der da „Verschollen“ heißt.

Das Prinzip ist ähnlich: Eine amerikanische Reality-TV-Show („Castaways“), bei der die Kandidaten auf einer kleinen Insel im Südpazifik auf Schritt und Tritt gefilmt werden, Aufgaben erfüllen müssen und rausgewählt werden, bis nur noch einer übrig bleibt, der eine Million Dollar gewinnt.
Nur ist die Insel leider nicht unbewohnt, wie sich während eines Unwetters herausstellt, denn eine Horde von menschenähnlichen Wesen macht sich auf die Jagd nach Fleisch und Frauen für die Auffrischung ihres Genpools.

Im  Nachwort erzählt Keene, dass die Geschichte ursprünglich mal eine Kurzgeschichte war, die er anlässlich des Todes seines Freundes und Mentors Richard Laymon für eine Anthologie geschrieben hat. Nicht zuletzt im Internet wurde er immer wieder von Lesern gefragt, ob er daraus nicht einen Roman machen könnte. Und das hat er nun getan.

Tja, was soll ich sagen… ist halt ein unterhaltsamer Splatter-Roman mit zwei Sorten von Monstern (geltungsbedürftigen Kandidaten und primitiven Bestien), mit viel Blut, Gewalt und Sex… wie man es auch von Laymon kennt, der gerade bei diesem Roman sein Vorbild war. Allerdings, das muss man Keene zu Gute halten, gibt es bei ihm nicht so unglaubwürdige (und häufige) (und dadurch nervige) Beischlafszenen wie bei Laymon. Bei dem hatten irgendwie alle Figuren sofort und ständig Sex. Teilweise ging das dann fast so absurd wie hier ab:

Stroh auf YouTube

Mein Fazit: Kann man lesen, wenn man mal Lust auf trashigen Monsterhorror und einem Promi Dinner der besonderen Art hat. 😉

Kürzlich habe ich dann auch endlich gepostet, dass einige Werke von Stephen King verfilmt werden, nun kann ich gleich nachlegen, dass die beiden Romane seines Sohnes Joe Hill ebenfalls zur Zeit als Filmvorlagen dienen.
In „Heart Shaped Box“ (deutscher Buchtitel war „Blind„) geht es um einen in die Jahre gekommenen Rockstar, der kuriose Horrorgegenstände sammelt und einen Geist im Internet ersteigert.
In „Horns“ (deutscher Buchtitel war „Teufelszeug“ – Rezi von mir dazu hier) erwacht ein Mann nach einer durchzechten Nacht mit Teufelshörnern auf der Stirn, was eine merkwürdige Wirkung auf die Menschen in seiner Umgebung hat…
Ich war von beiden Romanen sehr begeistert und bin darum natürlich mordsgespannt, was aus den Verfilmungen wird!

Und noch eine Geschichte über einen Vater und einen Sohn, aber hier geht es um nur ein Buch und eine TV-Serie, nämlich „Sh*t – Ansichten meines Dads“ von Justin Halpern. Dank eines denkbar schlechten Timings des Schicksals musste Justin Halpern mit 28 wieder bei seinen Eltern einziehen. Sein 73 jähriger Vater ist das, was man gerne ein „echtes Original“ (was ja eigentlicht doppeltgemoppelt ist, gibt es denn ein unechtes Original?) nennt, jemand, der ohne Rücksicht auf Verluste immer laut seine Meinung sagt und sich einen Dreck um politische Korrektheit schert. Eines Tages hat Justin angefangen, die Sprüche seines Vaters bei Twitter zu posten. Innerhalb kurzer Zeit schoß die Zahl seiner Abonnenten in Höhe und ein Verlag fragte nach, ob er nicht ein Buch über seinen Vater schreiben möchte.
Er wollte.
Und ich hab es nun gelesen.
Und hab mich bestens unterhalten gefühlt!
Zwischen den kurzen Geschichten aus dem Leben der Halperns gibt es immer ein paar Seiten mit Sprüchen seines Vaters:

Menschenkenntnis
Dir werden im Laufe deines Lebens viele Wichser begegnen, aber denk dran: Die Frage ist nicht, wie groß das Arschloch ist, sondern wie viel Scheiße rauskommt.

Mein erster Joint
Ziemlich gut, was? … Im Ernst? Also, da gehen unsere Ansichten entschieden auseinander. Aber wehe, du erzählst das deiner Mutter. Sag ihr, ich hätte dir die Leviten gelesen und dich einen Volltrottel genannt. Nein, sag ihr am besten gar nichts. Siehst du, jetzt werde ich schon ganz paranoid, dabei habe ich gar nichts geraucht.“

Zigarren
Du bist einfach kein Zigarrentyp … Wie ich darauf komme? Mein Gott, du hälst das Ding, als ob du einer Maus einen runterholen würdest.“

Bush oder Gore?
Gore ist zwar ein ziemlich aufgeblasenes Arschloch, aber immer wenn ich Bush sehe, habe ich das Gefühl, der hat sich letztes Jahr in die Hose gekackt und schämt sich deswegen noch heute.

Modische Frisuren
Kann deinen Altersgenossen nicht mal jemand beibringen, wie man sich die Haare kämmt? Das sieht ja aus, als hätten sie zwei vögelnde Eichhörnchen auf dem Kopf.

Natürlich bietet sich der Stoff als Sitcom an, also folgte die, mit William Shatner als Vater, recht bald. Hier mal ein Info-Trailer:

My Dad auf YouTube

Ich bin ja guter Dinge, dass ich jetzt häufiger Rezensionen schreibe, damit sich nicht immer so ein Berg anhäuft, und darum kommt hier ganz frisch die „Verwesung“ von Simon Beckett:

(Achtung, Spoiler!)

Nachdem ich die anderen drei Fälle von dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter recht begeistert gelesen habe, hab ich mich auf die „Verwesung“ gefreut. Aber irgendwie hatte ich schon beim Klappentext das Gefühl, das ganze Buch zu kennen, ohne es gelesen zu haben:

Dr. David Hunters schwierigster Fall

Drei Mädchen sind verschwunden. Ein Serienkiller gesteht. Doch Jerome Monk weigert sich zu verraten, wo er die Leichen vergraben hat. Auch David Hunters Einsatz bringt keine Ergebnisse.

Ach Jahre später: Monk bricht aus dem Gefängnis aus.
Für David Hunter beginnt ein Albtraum.
Denn die Dämonen der Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe…

Meine Vermutung war nun: Serienkiller verfolgt Hunter, bekommt ihn im letzten Drittel in seine Gewalt und es gibt noch irgendeine Überraschung, aber am Ende ist wieder alles supi.
Und so war es dann eigentlich auch:
Hunter und eine Psychologin, die damals auch bei der Suche nach den Leichen im Moor dabei war, werden von Monk verfolgt, er bekommt die beiden im letzten Drittel seine Gewalt, dann gibt es eine Überraschung und am Ende ist zwar nicht alles ganz supi, aber doch wieder Frieden in Walnut Grove Dartmoor.

Warum ich ihn trotzdem ausgelesen habe: Natürlich wollte ich wissen, ob ich Recht behalte. 😉
Aber das war nicht der einzige Grund, denn Beckett ist ein guter und routinierter Schreiber, Dr. David Hunter eine sympathische und dreidimensionale Figur und er hat es (trotz voraussehbarer Handlung) wieder geschafft, eine düstere und atmosphärische Spannung über den ganzen Roman zu halten.

Empfehlenswert nur für Fans von Becketts Hunter-Reihe, die ihn sich ohnehin von allein holen werden. Neueinsteiger sollten sich lieber die „Chemie des Todes“ vornehmen.

Jetzt habe ich übrigens den neuen Djian („Die Leichtfertigen„) angefangen … und … JA! Endlich mal wieder ein Roman von ihm, der an seine erste und unübertroffene Trilogie („Erogene Zone„, „Betty Blue“ und „Verraten und verkauft„) erinnert, auch wenn der Ich-Erzähler nicht Zorg ist und fast doppelt so alt, doch zumindest ist er ein Bruder im Geiste. Ich werde berichten, wenn ich ihn ausgelesen habe!

Demnächst kommen so einige Verfilmungen von Kings Büchern ins Kino:

„Der dunkle Turm“ („The Dark Tower“) in Form von drei Kinofilmen (wohl ähnlich aufwendig produziert wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“) und als TV-Serie, welche dann die Lücken (warum muss es denn Lücken geben?) zwischen den Filmen schließen soll. Hoffentlich kommt der deutsche Zuschauer auch in den Genuss der TV-Serie… Das und noch mehr gibts auf Filmstarts.de nachzulesen.
Ich bin mordsgespannt auf die Verfilmungen, aber es macht mir ein wenig Sorge, dass Ron Howard Regie führt. Den Großteil seiner Filme mochte ich nicht und irgendwie bleibt er für mich auf Ewigkeit der rothaarige Junge aus „Happy Days„.

„Das letzte Gefecht“ („The Stand“) wird neu verfilmt. Könnte auch eine gute Sache werden, der fast 4-Stunden-Film aus den 90ern war ja nicht sooo dolle. Von dem Remake hat King (lt. Filmstarts.de) erst im Internet erfahren und geäußert, dass er sich nur eine Trilogie vorstellen könnte, da sich der Stoff nicht in zwei Stunden abhandeln lässt.

Auch „Friedhof der Kuscheltiere“ („Pet Sematary“) soll aufgefrischt auf die Leinwand kommen (äh… Filmstarts.de…). Das verstehe ich nicht so ganz, denn die Verfilmung von 1989 war doch einfach passend und gut. Da gäbe es einige andere Romane von ihm, die es endlich verdient hätten!

Und zu einem neuen „Pet Sematary“ würde es auch kein Video von den „Ramones“ geben (leider ist das mit den Filmausschnitten nicht mehr zu finden)…

Ramones auf YouTube

Read Sixteen

Veröffentlicht: 2. März 2011 in Jugendbuch, King, Rezensionen, Sachbuch, Thriller/Horror, Wortschatz

Hier folgen nun meine ausgelesenen Bücher der vergangenen Monate. Da hat sich wieder einiges angesammelt… Damit der Eintrag nicht ganz so lang wird, werde ich mich kurzfassen. 😉

Der Professor“ von John Katzenbach
Mein erster Katzenbach war ein echt gelunger Thriller: Ein pensionierter Psychologieprofessor hat gerade erfahren, dass er an einer aggressiven Form von Demenz leidet und plant nun seinen Suizid. Doch als er Zeuge einer Entführung wird, verschiebt er seinen Plan und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an. Die junge Frau wird, wie der Leser erfährt, von einem Ehepaar festgehalten, das eine zahlende Internetgemeinschaft daran teilhaben lässt.
Gut geschrieben, spannende Handlung.

Hello Kitty muss sterben“ von Angela S. Choi
Im Klappentext wird Choi als eine Mischung aus Clive Barker und Chuck Palahniuk beschrieben, das hat mich natürlich sofort gereizt! Ähnlichkeiten zu Barker hab ich vergeblich gesucht… aber dem Vergleich mit Palahniuk konnte ich freudig zustimmen und weiß jetzt schon, dass ich jedes weitere Buch von ihr lesen werde!
Fiona ist 28, Jungfrau, und lebt noch bei ihren altmodischen Eltern, die ihr ständig neue potentielle Ehemänner vorstellen. In China wäre das vielleicht normal, aber in San Francisco fühlt sich Fiona davon mehr als genervt. Der Zufall (in Form einer nicht gelungenen Selbstentjungferung) will es, dass sie einen alten Schulfreund wiedertrifft, der mittlerweile Schönheitschirurg geworden ist. Während sie sich im Waschsalon ihrer Eltern einen Spaß daraus macht, mit ein bisschen Lippenstift die Ehen ihrer Kunden zu zerstören, widmet sich Sean in seiner Freizeit einem ganz anderen Hobby: Er bringt gern Frauen um.
Die beiden sind schnell wieder ein Herz und eine Seele, und manchmal kann es ja auch ganz praktisch sein, einen Serienkiller zum Freund zu haben…
Rabenschwarz, bitterböse und sehr unterhaltsam!

Angerichtet“ von Herman Koch
Fast schon ein Kammerspiel: In einem teuren Restaurant sitzen zwei Ehepaare, die Männer sind Brüder, und unterhalten sich. Doch irgendwas liegt in der Luft… und so nach und nach kommt durch Rückblicke heraus, dass die Söhne der beiden Paare etwas Schreckliches getan haben. Und wer der vier Personen am Tisch wieviel davon weiß. Was anfänglich wie eine Satire über die gehobene Gastronomie wirkt, wandelt sich zu einem spannenden Psychodrama über das Thema: Wie weit gehen Eltern für ihr Kinder und wie dehnbar ist dabei die Moral?
Sehr lesenswert!


Zwischen Nacht und Dunkel“ von Stephen King
Der King lebt! Ich hab ja eine Enttäuschung befürchtet, denn Novellen sind nicht seine Stärke und „Die Arena“ war auch nicht so der Knaller. Aber diese vier Novellen waren die reinsten Delikatessen!
„1922“: Ein Mann überredet seinen Sohn, gemeinsam die Mutter umzubringen.
„Big Driver“: Eine Schriftstellerin rächt sich nach einer Vergewaltigung.
„Faire Verlängerung“: Ein Todkranker bekommt die Chance einer Lebensverlängerung, die natürlich ihren Preis hat.
„Eine gute Ehe“: Eine Frau kommt hinter das schreckliche Doppelleben ihres Mannes.
Erstklassiges Kopfkino!!!

Das Wesen“ von Arno Strobel
Ein Psychothriller. Aber irgendwie ist der Funke bei mir nicht übergesprungen. Der erste Roman des Autors, „Der Trakt„, hat mir da besser gefallen.
Zwei Kommissare haben vor 15 Jahren einen Mann verhaftet, der ein Kind ermordet haben soll. Dieser ist nun aus dem Gefängnis entlassen worden und schon wieder verschwindet ein Kind.
Kann man lesen.

Harold“ von Einzlkind
Ein schräger Roman! Der Einzelgänger Harold (der, wie sein berühmter Namensvetter, gern Selbstmorde inszeniert) muss ein paar Tage auf ein Nachbarskind aufpassen. Doch der 11jährige Melvin ist kein normaler Junge, er ist irgendwas zwischen Genie und altkluger Nervensäge, und bringt Harold immer wieder in die absurdesten Situationen. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Melvins Vater.
Sehr britischer Humor von einem unbekannten deutschen Autor. Unterhaltsam!

Adams Erbe“ von Astrid Rosenfeld
Was für ein Debütroman! Er erzählt eigentlich zwei Geschichten, die aber doch zusammengehören: Da ist Edward, der ohne leiblichen Vater aufwächst und sein ganzes Leben lang immer mit seinem Großonkel Adam verglichen wird, über den er aber kaum etwas in Erfahrung bringen kann, nur, dass er sowas wie das scharze Schaf der Familie war. Doch nach dem Tod seiner jüdischen Großmutter findet er ein Buch, in dem Adam seine Geschichte erzählt. Darüber, wie er sich während des Krieges als Rosenzüchter getarnt ins Wahrschauer Ghetto eingeschlichen hat, um dort seine große Liebe Anna zu finden.
Wow, großartig geschrieben und eine ergreifende Geschichte!


Fratze“ von Chuck Palahniuk
Dieses Frühwerk ist nun endlich auch in Deutschland erschienen und vom Stil her „Fight Club“ noch ähnlicher, als seine späteren Romane. Aber wie immer gilt: Nichts ist so wie es scheint, nein, es ist noch viel schräger und schlimmer.
Nach einem Unfall ist das Gesicht von Model Shannon nur noch eine Fratze und ihr Leben ein Albtraum, bis sie der Drag Queen Brandy Alexander begegnet und mit ihr auf Reisen geht.
Obwohl das Buch mit dem Ende der Geschichte beginnt und der Weg zur letzten Seite nur aus wilden Zeitsprüngen besteht, erfährt man erst dann, wie/wer/was Wirklichkeit ist. Unglaublich, wie geschickt Palahniuk die Fäden in dieser Geschichte gesponnen hat und sich am Ende alles auflöst!
Wie alle seine Romane eine radikale, skurrile Satire und keine leichte Kost!

Tschick“ von Wolfgang Herrndorf
Maik ist 14 Jahre alt, unglücklich verliebt, und hat ziemlich einsame Ferien am heimischen Pool vor sich: Seine Mutter muss in die Entzugsklinik und sein Vater ist mit der Sekretärin auf Geschäftsreise. Plötzlich steht sein Mitschüler Tschick vor der Tür, mit dem niemand was zu tun haben will, weil er als “ russischer Assi“ gilt. Und plötzlich sitzen die beiden gemeinsam in einem geklauten Auto auf dem Weg in die Walachei.
„On the Road“ in Deutschland, ein großartiger Roman für alle Menschen ab 14, der gut geschrieben und sehr unterhaltsam ist!

Tag der geschlossenen Tür“ von Rocko Schamoni
Der zweite Roman über Michael Sonntag, über den ich hier schon mal geschrieben habe (nämlich die „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit„). Sonntag ist ein bisschen älter geworden, wohl auch etwas weniger depressiv, aber lebt sein Leben weiterhin nach seinen eigenen Regeln: Er schreibt hin und wieder schräge Artikel für eine Zeitung oder aus Spaß Manuskripte, die er an verschiedene Verlage schickt, nur um die Absagen zu sammeln. Oder er stellt sich einfach selbst in einem Museum als Wächter ein. Er unterhält sich mit einer toten Fliege, die er in einer Streichholzschachtel mit sich herumträgt. Und der perfekte Ort für eine Verabredung zum Essen ist natürlich ein Wartezimmer beim Arzt.
Schamoni ist einfach absolut lesenswert!

Glanz“ von Karl Olsberg
Leider ist der Thriller noch nicht erschienen und ich darf erst dann darüber schreiben… Nur so viel: Der 14jährige Eric hat unter Drogen ein Computerspiel gespielt und ist ins Koma gefallen. Seine Mutter findet eine Möglichkeit, in seine „Koma-Computerspiel-Wirklichkeit“ zu gelangen.
Im Internet gibt es dann Möglichkeiten, alternative Enden zu lesen.

Horror als Alltag – Texte zu Buffy the Vampir Slayer“ von D. Dath, L. Quadfasel, C. Dehnert u. a.
Dieses Buch enthält neun teils sehr analytische Aufsätze über die TV-Serie „Buffy„. Allerdings kann man damit nur etwas anfangen, wenn man alle 7 Staffeln gesehen hat. Ich fand die verschiedenen Ansichten und Interpretationen sehr interessant, aber es hat mich total genervt, dass es häufig solche Ausdrücke wie „Zuschauer_innen“, „Mitstreiter_innen“ zu lesen gab. Ich find Gleichberechtigung gut und wichtig, aber man muss es ja nicht übertreiben. Wenn ich eine Katze seh, nenn ich sie Katze, auch wenn es ein Kater sein könnte (das sieht man ja nicht auf den ersten Blick). Für mich heißt es eben „Die Katze“ und „Der Zuschauer“. Basta. Wer also mit diesem überflüssigen „Schreibstatement“, vielen Fußnoten und teilweise recht langen verschachtelten Sätzen leben kann UND Fan der Serie ist, dem kann ich das Buch sehr empfehlen!

Heimstraße 52“ von Selim Özdogan
Hier haben wir die Fortsetzung von „Die Tochter des Schmieds„. In den 70ern ist Gül ihrem Mann nach Deutschland gefolgt, wo vieles anders ist, als in der Türkei. Besonders, wenn man kein Deutsch kann und der Mann die meiste Zeit außer Haus zum Arbeiten oder Trinken ist oder schläft. Als sie selbst Arbeit hat und endlich ihre Töchter zu sich holen darf, hofft sie darauf, dass endlich das bessere Leben beginnen kann…
Ein sehr gut geschriebener (aber von Özdogan hab ich auch gar nichts anderes erwartet) und warmherziger Roman über das Leben in Deutschland und der Türkei und den Begriff Heimat.
Absolute Leseempfehlung!

Die facebook-Falle“ von Sascha Adamek
An facebook kommt zur Zeit ja niemand vorbei, aber was steckt dahinter? Bevor ich mich nun anmelde, dachte ich mir, ich mach mich einfach mal schlau. Und, dass ich mich bisher immer noch nicht angemeldet habe, spricht dann wohl für sich. Eigentlich bietet dieses Buch so viele Informationen, dass ich einen eigenen Beitrag darüber schreiben wollte. Vielleicht hole ich das noch nach, Stoff gäbe es reichlich!
Dass man diese Plattform nicht zu leichtsinnig nutzen sollte, wird wohl jedem mit einem IQ über Zimmertemperatur klar sein.
Auch hier eine klare Leseempfehlung – egal ob man schon Mitglied ist oder, wie ich, noch skeptisch! Und es ist so interessant geschrieben, dass ich es an einem Tag gelesen habe.

Der Menschenmacher“ von Cody McFadyen
Ein neuer McFadyen ohne Smoky Barrett? Und trotzdem ein spannender Knaller? Ja! Ja!
Wie seine FBI-Reihe ist auch dieser Roman wirklich harte Kost, aber mordsmäßig spannend! Hier geht es um drei Kinder, die von einem Mann adoptiert und eingesperrt werden, um aus ihnen die perfekten Menschen zu machen. Und das mit äußerst radikalen und schmerzhaften Mitteln. Nach Jahren schaffen sie es, ihn zu töten und sich zu befreien. Doch so eine Kindheit hinterlässt ihre Spuren: Einer ist Schriftsteller geworden und hat eine Organisation gegen Kindesmissbrauch gegründet, der andere bringt als Auftragskiller Kinderschänder um und aus dem Mädchen wurde eine FBI-Agentin. Die drei haben sich mehr oder weniger aus den Augen verloren, bis sie plötzlich gleichzeitig von einem Unbekannten an ihre Vergangenheit erinnert und bedroht werden.
Irre spannend, wahnsinnnig gut!

Schweigt still die Nacht“ von Brenna Yovanoff
Wie ergeht es einem Wechselbalg, der zum Teenager wird?
In der Kleinstadt Gentry ist der plötzliche Kindstod keine Seltenheit. Auch Mackie hätte eigentlich als Kleinkind sterben müssen, nachdem er nämlich gegen den echten Mackie ausgetauscht wurde. Doch er wurde einfach immer älter und seine Familie hat ihn so akzeptiert, wie er ist. Z.B. mit einer extremen Überempfindlichkeit gegen Eisen. Auch, dass er als Pfarrerssohn die Kirche und den Friedhof nicht betreten kann. Er findet heraus, dass unter der Stadt zwei verfeindete Schwestern leben, die für das Kindersterben verantwortlich sind, und er erfährt auch, woher er kommt.
Ja… ein netter düsterer Jugendroman. (An dem das Beste das Cover ist 😉 )

So Leute, das war es erstmal… ich hoffe, ich kann meinen Schweinehund dazu bringen, regelmäßiger zu schreiben, damit nicht wieder so ein Stapel anwächst! 😉