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Sollte ich jemals die Situation erleben, dass ich nur ein Buch aus der brennenden Wohnung retten kann, würde ich nicht lange überlegen: „Erogene Zone“ von Philippe Djian.

djian
Es gibt kein Buch, in dem ich öfter gelesen habe, als in diesem ersten Teil von Djians Trilogie über den Schriftsteller Zorg. Es sieht mitgenommen aus und fühlt sich an, wie eine alte Lederbrieftasche, die man seit Jahren täglich bei sich trägt: Weich, abgerundet, vertraut und etwas schmuddelig. Es ist ein treuer Gefährte auf Reisen, auch im Alltag wandert es noch heute alle paar Monate mal durch die Wohnung, und das seit bald 20 Jahren, also mein halbes Leben.
Ich kann mich bei vielen Büchern daran erinnern, wie ich sie gekauft und gelesen habe. Meistens nur kleine Szenen, kurze Gedankenfetzen. Bei „Erogene Zone“ kann ich im Kopfkino den halben Tag dazu abspielen, so genau hat sich der Kauf und besonders das Lesen der ersten Seiten eingebrannt, weil es mich sofort aus den Socken gehauen hat. Sowas hatte ich bis dahin noch nicht gelesen, ich war so begeistert, elektrisiert, wie nur selten in meinem Leben. Leider bin ich auch schon dahinter gekommen, dass mit fortschreitendem Alter solche Momente immer seltener werden, weil man einfach schon so viel kennt und es nicht wirklich viel Neues gibt. Bekanntes wiederholt sich nur in neuer Zusammensetzung oder mit neuem Anstrich.
Ich denke, dass etliche seiner Leser aus dieser Zeit es ähnlich empfinden. Djian hat uns mit späteren Romanen oft enttäuscht, weil wir einfach die Stimmung in dieser Trilogie geliebt haben. Es ist wie ein wunderbares melancholisches Lied über das Leben, Freiheit und Leidenschaft, bei dem man sich einfach gut und lebendig fühlt, wenn man es hört. Und darum ist es so, wie bei einem Musiker, der vor vielen Jahren eben dieses eine Lied hatte, das alle noch Jahrzehnte später bei jedem Konzert lautstark fordern und mit dem größten Applaus und Jubel belohnen. Und das er vielleicht selbst mittlerweile hasst, weil er ständig daran gemessen wird.
Und nun ist die „Erogene Zone“ von Phillipe Djian vergriffen. Da mag so manch einer sagen, dass die Vergleiche hinken, aber für mich fühlt es sich so an, als hätte ich gerade erfahren, dass „Der Fänger im Roggen“, „On the Road/Unterwegs“ oder der „Steppenwolf“ vergriffen sind.
Lieber Diogenes Verlag, Bücher, die Leben verändern, sind viel zu selten, die kann man doch den nachfolgenden Generationen nicht vorenthalten?!
„Später hing ich in einem Liegestuhl, keine Ahnung, wie ich da reingekommen war, ich sah den Sternenhimmel, und der Gedanke, ich sei ein Nichts, der kam mir nicht, ich dachte nicht an diese Milliarden von Sonnen und an den ganzen Kram über den Ursprung des Lebens, an den unendlich Abgrund der Parallaxen und die Theorie des Urknalls, nein, ich dachte, verdammtnochmal, hoffentlich hat sie meinen Roman nicht zum Fenster rausgeschmissen, hoffentlich hat sie es nicht getan! Ich biss die Zähne zusammen, und ne Zeit lang lief es mir kalt den Rücken runter.“ (S. 164)

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Damit sich nicht wieder so ein großer Stapel anhäuft, gibt es jetzt schon druckfrischen Nachschub:

Die Kometenjäger“ von Marc Deckert
Dieser Roman war eine echte Überraschung. Ganz unscheinbar stand er zwischen all den Leseexemplaren bei uns in der Filiale, mit zerrissenem Einband, und einem knappen Klappentext:
Es muss dunkel sein …

Sehen ist schwieriger als Glauben. Ohne meinen Freund Tom hätte ich das wohl nie begriffen. Ohne ihn wäre mir zum Beispiel für immer verborgen geblieben, wie viele Phasen, Nuancen und Zwischenräume die Dunkelheit hat. Und erst recht hätte ich niemals erfahren, was wirklich danach kommt …

… wenn wir die Sterne am Himmel erkennen wollen.
Ich hab die erste Seite überflogen, mein Interesse war geweckt, hab den Bucheinschlag mit Tesa geflickt und ihn adoptiert.
Der Dank war eine wirklich tolle und sympathische Geschichte + einem kleinen Einführungskurs in die Astronomie.
Philipp ist 28 und lebt und jobbt in Landsberg am Lech recht ziellos vor sich hin. Der Vater eines Freundes bietet ihm an, die Illustrationen für ein Kindersachbuch über das Weltall zeichnen. Um sich Inspiration zu holen, besucht er eine Sternwarte und begegnet dort dem einige Jahre jüngeren Tom, dessen ganze Leidenschaft die Astronomie ist. Die beiden recht unterschiedlichen jungen Männer freunden sich an. Und als Tom in einer „Sternenangelegenheit“ eine Reise in die USA unternimmt, begleitet Philipp ihn. Mehr möchte ich gar nicht verraten.
Ich hoffe, dass dieser tolle Roman ganz viele Leser findet, die danach ebenso begeistert sind wie ich, und ebenfalls wieder öfter in den Sternenhimmel schauen. Außerdem hoffe ich, dass Herr Deckert es nicht bei diesem Debütroman belässt!

Oneiros“ von Markus Heitz
Ach schön, ein neuer Markus Heitz!
Wie schlimm muss es sein, zu wissen, dass immer alle Lebewesen um einen herum sterben, sobald man einschläft… Und wie gefährlich erst, wenn man auch noch Narkoleptiker ist!
Aus diesen beiden Gedankenspielen hat Markus Heitz wieder einen spannenden Roman gezaubert.
Konstantin, ein Bestatter aus Leipzig ist mit dem Fluch der Todschläfer geschlagen, weswegen er nur wenig oder abgeschieden auf einem Boot schläft. Er ist nicht der einzige. Auch nicht der einzige, der auf der Suche nach dem außer Kontrolle geratenen Narkoleptikers ist, der eben mal versehentlich alle Insassen eines Flugzeugs umbringt.
Phantastisch, spannend, rasant, gut recherchiert (mit kurzen Märchen, Sagen und Geschichten über den Tod, die in dem Roman eingebettet sind) – wie erwartet!

Young Sherlock Holmes – Der Tod liegt in der Luft“ von Andrew Lane
Hhm… ich hatte mir etwas mehr von erhofft. Wo ich doch momentan, dank der gigantischgrandiosengroßartigen „Sherlock„-Serie in der perfekten Sherlock-Stimmung bin. Und den Film aus den 80ern von Chris Columbus, „Das Geheimnis des verborgenen Tempels„, in dem es auch um den jugendlichen Holmes geht, mag ich immer noch sehr.
In dem 14jährigen Sherlock, dem wir hier begegnen, ist der zukünftige Meisterdetektiv leider kaum zu erkennen. Es ist einfach nur ein aufgeweckter und netter Junge, der in seinen Sommerferien beim Onkel in einen Kriminalfall stolpert. Gemeinerweise ist es auch noch ein erster Teil und wird mindestens eine Trilogie. Doch ich schätze, es wird mein einziger bleiben.
Eine der interessantesten, intelligentesten und ungewöhnlichsten Figuren der Literatur muss diese Eigenschaften auch bereits als Schüler gehabt haben. Dieser Junge hat sie nicht. Der Roman ist nicht schlecht, eine gute Jugendkrimigeschichte, aber eben kein glaubwürdiger Holmes.

Identität“ von Dan Chaon
Ich bin echt überrascht, dass dieser Roman so wenig gute Rezensionen bekommen hat. Aber schätze, es liegt an dem irreführendem Wort „Thriller“ auf dem Cover. Denn wer einen klassischen rasanten Thriller erwartet, wird einfach enttäuscht sein. Dabei fängt die Geschichte ziemlich hart an: Einem Sohn wird von einem ihm Unbekannten eine Hand amputiert, weil der Vater etwas nicht sagen oder zugeben möchte.
Doch der Rest des Romanes ist relativ frei von Gewalt.
Psychodrama trifft es besser. Ich mochte die intensive Figurenzeichnung, diese schwüle, düstere und rastlose Stimmung, die an einen „Film noir“ erinnert, ich habe gespannt die drei Hauptfiguren verfolgt, die alle mit Identitätswechsel oder Identitätsraub zu tun haben. In vielen Rückblicken werden ihre Geschichten erzählt, während sie alle unterwegs sind, auf der Suche oder auf der Flucht.
Und am Ende führen alle Fäden zusammen…
Sprachlich sehr angenehm, spannende Figuren, intelligente Unterhaltung mit überraschenden Wendungen – viel besser als jeder 08/15-Thriller! Oder, um es mit Jonathan Franzen zu sagen:
Ich habe lange darauf gewartet, dass jemand mal ein richtig gutes Buch über Identitätsraub schreibt, und ich bin sehr froh, dass Dan Chaon es nun getan hat!

Vatermord und andere Familienvergnügen“ von Steve Toltz
Wo also soll ich mit dem Bericht unserer schrecklichen Odyssee ansetzen? Mach’s nicht zu kompliziert, Jasper. Vergiss nicht, dass die Vereinfachung komplexer Zusammenhänge die Menschen zufriedenstellen, nein, geradezu begeistern. Abgesehen davon, meine Geschichte ist verdammt gut – und zudem auch noch wahr. Ich weiß nicht, warum, aber darauf scheinen die Leute Wert zu legen. Mich selber hingegen würde es vor Neugier kaum auf dem Stuhl halten, wenn mir einer sagen würde: >Ich muss dir ’ne tolle Geschichte erzählen, und jedes Wort davon ist glatt gelogen!<
Ich kann es genauso gut jetzt zugeben: Was folgt, handelt zu gleichen Teilen von meinem Vater wie von mir. Ich finde es grässlich, dass niemand seine Lebensgeschichte erzählen kann, ohne seinen Erzwidersacher zu einer Berühmtheit zu machen, aber das liegt nun mal in der Natur der Sache. Und die Sache ist die: Ganz Australien verachtet meinen Vater wohl wie keinen Zweiten, genauso wie sie seinen Bruder, meinen Onkel, wie keinen Zweiten verehren.“ (S. 13)
Mehr sollte man über diesen Roman gar nicht wissen, bevor man mit dem Lesen beginnt, denn dann erwartet einen ein wilden Trip voller Überraschungen. Dieser dauert fast 800 Seiten an, ist herrlich schräg, spannend, intelligent und einfach nur verdammt gut! LESEN!!!

Die Tribute von Panem 1 & 2 & 3“ von Suzanne Collins
Ja, ich hab sie gelesen, alle drei Teile. Und sogar recht flott hintereinander. Der erste war toll, der zweite schon etwas weniger und der dritte… na ja…
Durch nicht näher erläuterte Umstände wird Nordamerika in einer fernen Zukunft „Panem“ heißen und vom „Kapitol“ beherrscht. Nach einem Aufstand wurden aus den einst dreizehn Distrikten nur noch zwölf Distrikte, die in relativer Armut im Gegensatz zum luxuriösem Kapitol leben. Und jedes Jahr finden, in Erinnerung an diesen Aufstand, die „Hungerspiele“ statt, in dem aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen ausgelost werden. Diese 24 Kinder kämpfen dann in den Hungerspielen gegeneinander. 23 sterben und der Sieger und sein Distrikt werden reich belohnt.
Als die kleine Schwester von Katniss gezogen wird, meldet sie sich freiwillig als Tribut, um ihre Schwester zu verschonen. Und die 74. Hungerspiele um Leben und Tod beginnen.
Mehr kann man nun gar nicht erzählen, ohne die Geschichten der zwei weiteren Bände zu verraten.
Der erste Band war noch eine bitterböse Satire auf die ganzen Castingshows, der zweite fast nur noch ein neuer Aufguss und der dritte Teil ist dann eher ein Kriegsbericht, in dem viele Charaktere vollkommen verändert wirken, was dem Ganzen die Glaubwürdigkeit nimmt.
Die Verfilmung des ersten Teils war übrigens eine ziemlich Enttäuschung.

Die schöne Kunst des Mordens“ von Jeff LindsayACHTUNG: Voller „Dexter“-Spoiler!
Der vierte „Dexter„-Roman.
Es ist schon eine komische Sache, wenn man sowohl die TV-Serie als auch die Roman-Reihe über den sympathischen Serienkiller Dexter Morgan verfolgt. Denn ab dem zweiten Band/der zweiten Staffel gehen beide Varianten verschiedene Wege. In der TV-Serie wird Dexter Vater und Rita stirbt, in den Romanen lebt sie weiter, aber ihre beiden Kinder aus erste Ehe werden zu Dexters Schülern, was ich etwas befremdlich finde. Im Roman weiß seine Schwester von seiner düsteren Leidenschaft, in der Serie nicht – und in den Romanen kommt sie zu dem auch noch recht unsympathisch rüber, was sie im TV nicht ist. Auch sonst gibt es noch einige Unterschiede. Dennoch ist der Stil (besonders auch der trockene Humor) sehr ähnlich, und während des Lesens sieht und hört man eben den TV-Dexter.
Ok, worum gehts es in diesem Roman?
Ein neuer und ziemlich kreativer Serienkiller treibt in Miami sein Unwesen. Er dekoriert die Leichen und hinterlässt davon Videos auf YouTube. Und auch eines von Dexter beim Morden…
Wer die Reihe und/oder die Serie kennt, den erwartet ein unterhaltsamer Thriller. Ich persönlich mag die TV-Serie mehr.

Blackout“ von Marc Elsberg
Ein Horrorroman ohne Monster. Nur ein erschreckend realistischer Roman über eine Welt ohne Strom. Etwas, was hoffentlich niemals passiert, aber nicht ausgeschlossen ist. Ein ähnliches Thema hatte schon der großartige „Rattentanz“ von Michael Tietz.
Auch hier war die Recherche außerordentlich gründlich, es gibt so viele Dinge, über die man sich noch nie ernsthafte Gedanken gemacht hat. Innerhalb von zwei Tagen wäre die Welt, die wir kennen, eine vollkommen andere und sehr viel härtere Welt.
In Europa fällt, durch einen terroristischen Anschlag, nach und nach der Strom aus. Wir begleiten einige Personen, auch die Attentäter, über mehrere Tage. Es gibt weder Strom, noch Wasser, noch Heizung. Und schnell schlägt die anfängliche Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander in Gewalt und Abzocke um.
Spätestens ab der Hälfte des Buches spielt man mit dem Gedanken, sich einen großen Vorrat an Batterien, Wasser und Konserven anzulegen.
Ein schrecklich spannender Roman!

Okkult“ von Peter Straub
Ein harter Knochen. Aber ich hab mich durchgebissen.
Gelohnt hat es sich allerdings nicht.
Ich mochte Peter Straubs Zusammenarbeit mit Stephen King, gemeinsam haben die beiden „Der Talismann“ und „Das schwarze Haus“ geschrieben, zwei wirklich gute Romane, an die ich mich nach all den Jahren noch sehr gut erinnern kann. Es soll irgendwann auch noch einen dritten Teil geben, auf den ich mich jetzt schon freue. Das war wohl der Grund, der mich zu diesem erst kürzlich erschienen Roman greifen ließ. Auch der Klappentext klang spannend:
Der charismatische Campus-Guru Spencer Mallon nutzt die Ergebenheit seiner jungen Anhänger schamlos aus – auch um sexuelle Gefälligkeiten zu erhalten. Als er eines Tages mit seinen Verehrern ein okkultes Ritual abhält, kommt es zur Katastrophe: Zurück bleiben eine zerstückelte Leiche und die zerrütteten Seelen der Teilnehmer an der teuflischen Messe …
Leider ist die Geschichte dahinter einfach nicht spannend, nur ziemlich verworren. Was nach Horrorthriller klingt, ist eine anstrengende Reise voller Zeitsprünge – hin und zurück. Das erste Viertel macht noch irgendwie Spaß und man ist neugierig darauf, was nun wirklich passiert ist, aber der Weg dahin wird immer langatmiger und was man dann zu guter Letzt erfährt, ist weder großartig überraschend, noch interessiert einen dann besonders…
Meine einzige Empfehlung: Finger weg. Lohnt sich nicht.

SaRg niemals nie“ von Dan Wells
Seine Trilogie über den jugendlichen Serienkiller war der Hammer, der Einzelroman („Du stirbst zuerst„) danach enttäuschend. Also waren meine Erwartungen nicht besonders groß. Zumal es sich hier auch noch einen „witzigen Vampirroman“ handelt, der um 1800 spielt… hhm… das schreit nach einer weiteren Enttäuschung. Aber: Mitnichten! Schon in seinen anderen Romanen schwang ein angenehmer schwarzer Humor durch die Zeilen, aber hier gibt er alles und hat mich an die richtig guten Romane von Christopher Moore erinnert. Tolle Situationkomik, die, ohne platt zu wirken, einfach nur Spaß macht!
Frederick Whithers gelingt die Flut aus dem Gefängnis. In einem Sarg. Und als er aus diesem mitten in der Nacht entsteigt, halten ihn Vampire für den Erhabenen, ihren Obervampir. Sein bester Freund und Verbündeter auf der Flucht vor den Vampiren und dem wahren Obervampir wird John Keats, ein poetischer Wundarzt. Später kommt auch noch die junge Mary Shelley hinzu, die Körperteile von Leichen sammelt.
Ein schräges und äußerst unterhaltsames Lesevergnügen!

Mein böses Herz“ von Wulf Dorn
Der vierte Roman von Herrn Dorn, diesmal für Jugendliche ab 14 Jahren. Und aus der Sicht eines Mädchens geschrieben. Auch hier war meine Erwartung etwas verhalten, seine ersten beiden Romane haben mir sehr gut gefallen, aber der dritte war etwas schwach. Doch „Mein böses Herz“ war wieder ein wirklich spannender und gutgeschriebener Thriller! Die sechszehnjährige Doro hat einen Aufenthalt in der Psychiartrie hinter sich, als sie mit ihrer Mutter aufs Land zieht. Der Tod ihres kleinen Bruders, den sie eines Morgens leblos im Bett vorfand, hat sie ziemlich mitgenommen. Zumal sie noch immer nicht weiß, was am Vorabend, als sie auf das Kleinkind aufpassen sollte, wirklich passiert ist. Ob sie vielleicht Schuld am seinem Tod ist.
Eines Abends taucht in dem Schuppen neben ihrem Haus ein verstörter Junge auf, der von etwas „Bösem“ stammelt, das hinter ihm her ist. Und schon ist er auch wieder verschwunden. Richtig unheimlich wird es, als sie erfährt, dass der Junge, den sie dort sah, ein paar Tage zuvor verstorben ist…
Man merkt auch hier wieder, dass Herr Dorn sich sehr gut mit der Psyche des Menschen und psychiartischen Kliniken auskennt, und, zum Glück, überhaupt nicht, dass da ein erwachsener Mann aus der Sicht eines jungen Mädchens geschrieben hat. Ein richtig toller Thriller mit Sommerfeeling!

Ich bin ein Genie und unsagbar böse“ von Josh Lieb
Ok, ich bin kein 12jähriger Junge, also nicht die eigentliche Zielgruppe. Aber ich mag Romane über schräge und altkluge Jungs. Trotzdem das so ein Roman ist, mit viel bissigem Humor, wurde ich mit dem kleinen, unsagbar bösem Genie nicht wirklich warm. Er war mir zu viel Genie (der mit 12 Jahren der drittreichste Mensch der Welt ist, weil er sich schon in ganz jungen Jahren, dank seiner Intelligenz, ein geheimes Imperium aufgebaut hat und als nächstes Ziel die Weltherrschaft anstrebt) und zu unsagbar böse. Oder eigentlich nur unsagbar traurig, ohne sich selbst dessen bewußt zu sein. Zum Glück hat sich das dann zum Ende hin etwas relativiert. Und seine fiesen Streichen haben auch einiges Gute bewirkt. Trotzdem. Auch wenn der Autor sonst für die Simpsons schreibt und dieser Humor in manchen Szenen angenehm durchblitzte, auch wenn die Bilder (zwischendurch gibt es immer wieder Fotografien, die sich auf die Handlungen beziehen) und einige Ideen echt unterhaltsam waren, hat mich der Roman einfach nicht richtig begeistern können.

Ich hab mir nun endlich die drei (1, 2, 3) ersten (von sechs) Graphic Novel-Versionen von Stephen Kings Meisterwerk (und Mörderschinken) „The Stand – Das letzte Gefecht“ gekauft. Das erste Heft ist schon gelesen und war um Längen besser, als die Comic-Umsetzung von „Der Dunkle Turm„. Sehr stimmungsvoll gezeichnet und, im Gegensatz zur bebilderten „Turm“-Version, sogar richtig gut geschrieben!

The Stand“ soll übrigens Ende des Jahres erneut verfilmt werden: Mehr Infos dazu hier.

Und von der schon mehrmals totgesagten „Der Dunkle Turm„-Verfilmung gibt es einen frischen Hoffnungsschimmer: Mehr dazu hier.

Über 30 Romane habe ich seit dem letzten Rezi-Posting, also Juli 2012, komplett gelesen. Ich gebe zu, dass ich zwischendurch überlegt habe, einfach keine mehr zu schreiben, aber nun mache ich das schon so viele Jahre, da wäre es schade, jetzt einfach aus Faulheit damit aufzuhören.
Vor mir liegt nun eine Liste mit den all den Titeln. Im Augenblick habe ich noch keinen Schimmer, wie ich all die Bücher schmerzfrei in einen Eintrag bekomme. Richtige Rezensionen werden das wohl nicht werden, aber egal…

… fangen wir mal mit Thrillern an:

Der Beste war ganz klar „Der Anschlag“ von Stephen King! Mit seinen 1056 Seiten ein Monster von einem Roman, aber ohne eben solche – leider hält sich ja hartnäckig das Vorurteil, Mr. King schreibt nur Horrorgeschichten. Falsch! Das einzige Übernatürliche ist hier eine Zeitreise (in der ein Mann die Möglichkeit bekommt, den Anschlag an Kennedy zu verhindern), der große Rest ist spannende, gut recherchierte Zeitgeschichte und ein psychologisch interessantes Drama. Hier gibts dazu einen lesenwerten Artikel auf Spiegel Online. Eine Zeitreise in die 60er Jahre, die sich wirklich lohnt – ABSOLUTE Empfehlung!!!
Ebenfalls sehr empfehlenswert sind „Fünf“ und „Saeculum“ von Ursula Poznanski (die mich damals schon mit „Erebos“ so begeistert hat). „Saeculum“ ist ein Jugendthriller, in dem ein paar Jugendliche abgeschnitten von der Zivilisation eine Woche im Wald leben und einige von ihnen plötzlich spurlos verschwinden. „Fünf“ ist der erste Thriller für Erwachsene der Autorin und wieder ein absoluter Volltreffer: Ein Serienkiller, der das (sehr sympathische) Ermittlerteam mit Geocatching der besonderen Art frische Luft und dem Leser viel Spannung verschafft. Ich freu mich jetzt schon auf ihren nächsten Roman, Frau Poznanski kann wirklich enorm gut und spannend schreiben! Laßt Euch das nicht entgehen!
Großartig war auch die Fortsetzung vom „Augensammler“ von Sebastian Fitzek, nämlich „Der Augenjäger„. Hier war der zweite Teil noch besser, als der erste. Ich hab nun alle seine Romane gelesen und das war auch insgesamt der beste! Der Meister der Cliffhanger und Pageturner hat ja leider öfter etwas enttäuschende Auflösungen, aber hier stimmt einfach alles!
Enttäuscht war ich von „Töte mich“ von Jon Osborne, der Verlag versprach einen zweiten Cody McFadyen, aber da kann er leider noch nicht mithalten. Das Ende war einfach absolut unbefriedigend. Schade!
Genauso war es mit „Der dunkle Wahn“ von Wulf Dorn. Seine ersten beiden Romane waren enorm gut, aber dieser hier… hhm… insgesamt etwas schwach. Auch „Im Wald der stummen Schreie“ von Jean-Christophe Grangé war nur noch ein Abklatsch seiner besseren Thriller. Zeitweise sehr stimmungsvoll, aber die Geschichte an sich und besonders die Auflösung war eine müde und vorhersehbare Wiederholung.
Eine sehr positive Überraschung war „Schwarzer Schmetterling“ von Bernard Minier. Den habe ich nicht freiwillig angefangen (war so eine Art „Hausaufgabe“ von meiner Chefin), aber war sofort begeistert! Der Stil erinnerte an den guten Grangé, eine sehr dichte Atmosphäre und spannende Charaktere. Und, es besteht die Hoffnung auf eine Fortsetzung! Ja, bitte schnell Nachschub!
Hier wird es auf jeden Fall noch Nachschub geben, denn „Niceville“ von Carsten Stroud ist der erste Teil einer Trilogie: Im Klappentext wird er als eine Mischung aus King, Tarantino, Faulkner und David Lynch beschrieben, was ich absolut unterschreiben kann! Unheimlich (und) spannend, abgedreht, brutal, phantastisch! Und man sollte ein gutes Namensgedächtnis haben, denn in dieser Stadt leben viele interessante Menschen, die durch ein noch nicht enthülltes Geheimnis miteinander verbunden sind… Als Fernsehserie würde die Reihe garantiert auf meine Top 10 kommen!
Auch für die Fortsetzung von „Eine Klasse für sich“ von Scarlett Thomas, nämlich „Faule Tricks„, sollte man  ein gutes Namensgedächtnis haben und eben den ersten Teil kennen. Dann kommt man in den Genuss eines guten und spannenden Thrillers! Ihr bester Roman aber ist und bleibt für mich aber die „Troposphere„!
Und nun noch mal eine leichte Enttäuschung: „Du stirbst zuerst“ von Dan Wells. Seine Trilogie über den jungen Soziopath John Wayne Cleaver („Ich bin kein Serienkiller„, „Mr. Monster“ und „Ich will dich nicht töten„) war einfach rundrum gelungen, aber dieser Einzelband konnte da nicht mithalten. Die Story war etwas zu absurd und hatte zwischendurch unnötige Längen , außerdem habe ich den intelligenten Schwarzen Humor vermisst, der die Trilogie so besonders gemacht hat.
Kein klassischer Thriller war „Sommerhaus mit Swimmingpool“ von Hermann Koch, aber da es einen Mord und viel Spannung gibt, darf er sich hier einreihen. Sein erster Roman („Angerichtet) war schon raffiniert und böse, aber hier ist er noch härter und der Zynismus noch bissiger. Einem Arzt wird vorgeworfen, einen befreundeten Patient mutwillig durch einen Kunstfehler getötet zu haben. Ein echt böser Roman, an den man nun wohl bei jedem Arztbesuch denken muss.
Zu guter Letzt noch der ziemlich durchgeknallte und kurzweilige Horrorkrimi „Grabräuber gesucht“ von Jeff Strand, der vor gelungenem Wortwitz nur so sprüht, dass man ihm ein paar kleine Logiklücken gern verzeiht. Ein Familienvater und sein Kumpel bekommen das makabere, aber sehr lukrative Angebot, einen Schlüssel aus einem Sarg zu holen. Nachts. Mit Schaufeln auf einem Friedhof. Doch als sie den freigelegten Sarg dann öffnen, werden sie von dem vermeindlich Toten mit einer Waffe bedroht. Und damit geht der wilde Trip erst los. Überraschend, witzig, krass!

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Nun wird es langsam Zeit für die Fantasy-Thriller:

Natürlich hätte ich den „Anschlag„, „Niceville“ und auch „Du stirbst zuerst“ hier einsortieren können, aber da ist der phantastische Anteil nicht im so hoch, wie bei den nun folgenden Romanen. Beginnen wir mit dem langerwarteten letzten Werk von Walter Moers, „Das Labyrinth der träumenden Bücher„, der Fortsetzung von „Die Stadt der träumenden Bücher„. Und ich habe sehnsüchtig auf diesen Roman gewartet! Leider war es dann nicht so befriedigend, wie erhofft, doch auch nicht so schlecht, wie viele Leser gejammert haben. Ja, es fehlte der rote Faden, es wurde erst auf den letzten Seiten spannend und hörte dann mit einem der bösesten Cliffhanger der letzten Jahre auf, aber Weg dahin war einfach wunderbar! Sprachlich ist Moers unbestreitbar ein Genie mit einer beneidenswerten Fantasie! Eine literarische Delikatesse! Also trotzdem genussvoll lesen (und sich an den großartigen Illustrationen erfreuen) und sich auf den dritten Teil freuen, der im nächsten Jahr erscheinen soll!
Ähnlich phantasievoll und schräg, aber von Anfang bis Ende sehr spannend, ist „Grau“ von Jasper Fforde, der erste Teil einer Trilogie. Eine Realität, die in einer Zukunft spielt, in der alle Menschen Farbenblind sind und je nach Farbsichtigkeit einen Rang in der Gesellschaft haben. Irre gut!
Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch werden auf dem Klappentext leider mit „Harry Potter für Erwachsene“ beworben, aber ich befürchte, das könnte einige Leser von dem Genuss abhalten. Ja, hier lernt ein junger Polizist ein wenig Zauberei, aber da hört die Ähnlichkeit für mich schon auf. Denn er lernt es nicht ihn einer Schule, sondern von einem Vorgesetzen, der einen Nachfolger für ungewöhnliche und magische Vorfälle braucht, die in London so passieren. Ein wilder, durchgeknallter erster Teil einer Romanreihe, der wirklich Spaß macht! Der Autor hat übrigens Drehbücher für „Doctor Who“ geschrieben, was schon viel über den zu erwartenden tollen britischen Humor sagt.
Sehr genial war auch der neueste Roman von Andreas Eschbach. Der „Herr aller Dinge“ ist ein großartiger Roman voller Philosophie und Technik. Herr Eschbach ist eben ein geübter Geschichtenerzähler voll interessanter Ideen, der einem schon nach wenigen Seiten ein so farbenfrohes und lebendiges Kopfkino verschafft, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Und wer möchte nicht wissen, wie es möglich wäre, dass alle Menschen auf der Welt gleich reich wären und es somit keine Armut mehr geben könnte? Die Antwort gibt es in diesem Roman, also sofort lesen!

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Jugendbücher, die auch Erwachsenen gefallen:

Über „Saeculum“ hab ich ja schon oben geschrieben, also können wir gleich zu „Wer hat Angst vor Jasper Jones“ von Craig Silvey übergehen, der leider erst im September erscheint. Hhm… also darf ich leider noch nichts darüber schreiben… Nur so viel: WOW!!!!
Gerade frisch erschienen ist „Starters“ von Lissa Price. In einer nicht so fernen Zukunft sind alle Erwachsenen an einem Virus gestorben. Nur die Kinder  („Starters“) und die Alten („Enders“) haben überlebt. Und durch fortgeschrittene Technik können die Alten sich junge Körper „mieten“ und für eine Zeit in ihnen leben. Eine recht böse Satire auf die Gesellschaft, verpackt in einem spannenden Jugendroman – TOLL! (Übrigens auch ein erster Teil, aber soweit in sich abgeschlossen)
Endlich ist der vierte Teil der „Chroniken der Unterwelt„-Reihe erschienen, nämlich „City Of Fallen Angels“ von Cassandra Clare. Hier sollte man die ersten Teile kennen, und wer sie gelesen hat, darf auch die Fortsetzung nicht verpassen!
Die Insel der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs ist ein Debütroman, der aus echten (teilweise skurillen) alten Fotografien entstanden ist, die auch alle im Roman abgedruckt sind. Aus dieser Inspriation hat er Autor eine ungewöhnliche und sehr lesenswerte Zeitreisegeschichte ersponnen, klasse!
Eine Art „Thrillerdrama“ für Teenager ist „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher. Zwei Wochen nach dem Tod einer Mitschülerin bekommt Clay ein Päckchen mit 13 Kassetten, auf denen das verstorbene Mädchen die Gründe für ihren Selbstmord hinterlassen hat. Auch er ist einer Gründe. Und er soll das Päckchen nach dem Hören an den nächsten weiterschicken. Ja… die Atmosphäre war sehr gut, es las sich flott weg… aber vielleicht bin ich einfach zu alt, um mich in das Seelenleben eines Teenagers zu versetzen, denn ich fand die Gründe insgesamt etwas schwach. Trotzdem ein interessanter Roman.
Und nun noch kurz zu meiner aktuellen Lieblingskinderbuchreihe: Ja, auch „Gregs Tagebuch 6 – Keine Panik!“ von Jeff Kinney ist einfach unglaublich genial!

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Sonstige schräge u./o. humorvolle Romane und sogar welche über die Liebe:

Ich lese ja so gut wie gar keine Liebesromane (und schon gar nicht solche gruseligen „Freche-Frauen-Romane“), aber hier hatte ich gleich zwei davon am Wickel, die dann doch total meinen Geschmack getroffen haben. Fangen wir mit dem wunderbaren Andrea De Carlo an, von dem ich schon ein paar Jahre nichts mehr gelesen habe und nun von „Sie und er“ enorm begeistert war! Er hat einfach ein enormes Talent für spannende und dreidimensionale Charaktere und interessante philosophische Gedankenspielereien… großartig! Und frei von klebligem Kitsch. Versprochen.
Ebenso wie die „Königskinder“ von Gernot Gricksch, der mich vor Jahren schon mit seinem Roman über „Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande“ beeindruckt hat. Er hat großartigen Wortwitz und Wärme, man merkt einfach, wie sehr er seine Figuren mag. Also ebenfalls ein toller Liebesroman für alle, auch für eben für die, die sonst keine lesen!
Ja, es war bestimmt der Titel, der mich dazu gebracht hat, diesen Roman zu lesen: „Das kaputte Knie Gottes“ von Marc Degens. Ich möchte jetzt auch nicht verraten, was es mit dem Knie so auf sich hat, aber es ist ein netter Roman über zwei Freunde, die sich trotz verschiedener Lebenswege nicht aus den Augen verlieren.
Über das „Känguru-Manifest“ von Mark-Uwe Kling kann ich nur sagen: Fast noch besser als die genialen „Känguru-Chroniken„! Kaufen! Lesen! Lachen! Hörbucher auch kaufen! Und sowieso seine Liveauftritte besuchen!
Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ von Jan Weiler habe ich jahrelang den Kunden empfohlen, ohne es selbst gelesen zu haben. Einfach, weil so viele Leute davon geschwärmt haben. Und, ja, es ist ein nettes und unterhaltsames Buch, aber ich hatte mir dann nach den vielen Lobeshymnen doch mehr von versprochen.
Sehr positiv überrascht war ich nun von „Gott bewahre„. Von John Niven hatte ich vor Jahren mal „Kill Your Friends“ gelesen, was jetzt nicht sooo meinen Geschmack getroffen hat, aber nach dieser großartigen Satire sind ihm all seine Sünden vergeben: Seit der Kreuzigung sind im Himmel gerade mal ein paar Tage vergangen, in denen Gott im Angelurlaub war. Nun zurück ist er entsetzt, was die Menschheit in den letzten 2000 Erdenjahren so alles angestellt hat, oft auch in seinem Namen. Denn sein einziges Gebot ist „Seid lieb“. Also schickt er seinen Sohn zurück auf die Erde. Wenn man kein Problem mit teilweise deftiger Sprache hat und mal wieder eine absolut gelunge Satire lesen möchte, sollte sofort zuschlagen! Absolute Empfehlung! Und: Seid lieb!

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Die restlichen drei Bücher lassen sich wohl am besten als „Junge Dramen aus Deutschland“ zusammenfassen:

Fangen wir mit dem schlimmsten Roman an. Die „Schossgebete“ von Charlotte Roche. Die „Feuchtgebiete“ hab ich damals nicht gelesen, nur mal reingeblättert. Aber hier dachte ich, ich geb ihr mal ne Chance. Puh… eigentlich war es ein bisschen so, als würde man stundenlang mit einer psychisch angeschlagenen Schulfreundin auf der Couch sitzen, die man schon Jahre nicht mehr gesehen hat, und nun von ihrem Leben erzählt, die redet und redet, sich ständig wiederholt, und eben lauter Probleme und Sorgen hat. Sie tut einem zwar echt leid, aber irgendwann kann man die Jammerei einfach nicht mehr hören. Zumal es auch vom Stil her häufig nicht besser als ein durchschnittlicher Aufsatz eines Gymnasialschülers ist.
Der neue Roman von Frank Goosen, „Sommerfest„, hingegen hat wirklich Spaß gemacht. Ein eher ruhiger und nachdenklicher Ruhrpottroman mit schrägen Figuren und Überraschungen und sehr angenehmen Humor, er hat meine Erwartung voll erfüllt. Jut!
In doppelter Hinsicht kann man hier sagen: Der beste der drei Romane! „Fast genial“ ist nämlich auch das dritte Werk von Benedict Wells. Obwohl, „Becks letzter Sommer“ hat mich damals auch sehr begeistert. Der Unterschied hier ist nun, dass der Roman in den USA spielt. Der Grundgedanke beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich, dass in einer Samenbank in den 80er Jahren Genies gezüchtet werden sollten. Eines der Kinder, das innerhalb des Experiments gezeugt wurde, macht sich als junger Mann gemeinsam mit einem Freund und einer Freundin auf die Suche nach seinem Vater. Absolut lesenswert!

Unglaublich, ich hab es geschafft! Und wer diesen Text nun sogar komplett gelesen hat, hat meinen vollen Respekt und sich einen Keks verdient! 😉

Damit mir keiner vorwerfen kann, dass ich nur noch auf dem bösen Facebook poste, auch hier mal wieder ein bisschen BlaBla:

Der Weg nach Hause hatte heute das Motto „Weltuntergang“. Pünktlich zum Feierabend kam ein Sturm auf, und kaum bin ich ein paar Schritte gelaufen, setzte der Regen ein. Warum gibt es noch keine diskreten Scheibenwischer für Brillengläser? Da es sie noch nicht gibt, bzw. ich keine habe, bin ich halbblind (Wasser + Licht = GRELL!!!) nach Hause gestolpert, habe jede tiefe Pfütze mitgenommen und hatte Schiss, dass mir irgendein Stück Baum auf den Kopf knallt. Spätestens ab der Hälfte des Weges fühlte ich mich, als hätte ich mich mit Klamotten unter die Dusche gestellt.

Aber, meine Ausbeute des Tages habe ich trocken nach Hause bekommen:

Danke, liebe Osterhasen Weihnachtsmänner Verlagsvertreter! 🙂

Wieder ein paar frische Romane, die es geschafft haben, mich so gut zu unterhalten, dass ich sie ausgelesen habe:

Still Missing von Chevy Stevens

Ein netter Psycho-Pageturner: Annie (Anfang 30), wird bei einer öffentlichen Hausbesichtigung von einem Fremden entführt. In einer kleinen Hütte im Wald will er mit ihr eine Familie gründen.
Allerdings weiß der Leser gleich auf der ersten Seite, dass sie flüchten konnte, denn der Roman besteht aus Berichten an ihre Therapeutin. Das kostet den Thriller zum Glück keine Spannung, man bleibt von Anfang bis Ende gespannt wie ein Flitzebogen, und hat er einige Überraschungen und Wendungen in petto. Der leicht schnodderige Schreibstil sorgt dafür, dass man flott durch die Seiten rutscht. Spannende Sommerlektüre für den Balkon!

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Nächtliche Vorkommnisse von William Gay

Noch ein Psychothriller, doch sprachlich deutlich anspruchsvoller. Ein schwüler Sommer in den 50er Jahren in Tennessee. Die Geschwister Kenneth und Corrie finden heraus, dass sich der örtliche Bestatter an den Leichen vergeht. Da dieser sein ausgefallendes Hobby mit Fotografien dokumentiert, stehlen sie diese Beweise, um ihn zu erpressen. Doch statt zu bezahlen, heuert er einen Killer an, der Jagd auf die Jugendlichen macht.
Dorfpsychos, schräge Einsiedler, ein gnadenloser Verfolger und grandiose Landschaftsbeschreibungen; eine kleine dreckige Perle mit einer so dichten Atmosphäre, dass einem manchmal fast die Luft wegbleibt!

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The Tokyo Diaries von David Schumann

Was man so erleben kann, wenn man als Deutscher für zwei Jahre nach Japan zieht, berichtet David Schumann in seinem Tagebuch. Meistens unterhaltsam und interessant, manchmal etwas zäh, weil der Alltag auch in Japan irgendwann von Wiederholungen nicht verschont bleibt: Studieren ist anstrengend, durchzechte Nächte und Musik gibt es reichlich (was manchmal beim Studieren stört), Japaner (besonders die Japanerinnen) sind in vielen Dingen anders (bis sehr merkwürdig) und sein Job als Model (den er durch Zufall bekommt) eine Mischung aus anstrengend und merkwürdig. Lesenswerter Trip!

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Alles über Lulu von Jonathan Evison

Hier war es garantiert nicht das Cover, sondern der Klappentext, der meine Neugier geweckt hatte. Dort wurde der Roman mit Irvings „Hotel New Hampshire“ verglichen und davor gewarnt, dass einen gleich der erste Satz „gefangen nehmen“ werde. Also hab ich den ersten Satz gelesen: „Zuerst erzähle ich euch den ganzen David-Copperfield-Mist, und ich denke nicht daran, mich dafür zu entschuldigen, nicht für einen Absatz.“
Und dann habe ich den ganzen Roman gelesen. Und war begeistert! Mehr kann ich leider nicht ins Detail gehen, da er erst Mitte August erscheint und noch keine Rezensionen veröffentlich werden dürfen.
Aber ein bisschen was zum Inhalt, wie er auf dem Klappentext und in Voranzeigen jetzt schon zu lesen ist: Will ist 7 Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Sein Vater, ein ehrgeiziger Bodybuilder, heiratet eine Weile später, dadurch bekommen Will und seine beiden Brüder eine Stiefschwester. Sie wird seine beste Freundin und seine große Liebe. Doch als sie aus dem Sommercamp zurück kehrt, ist sie völlig verändert. Vormerken und dann lesen!