Spinner mögen nur Oregano

Veröffentlicht: 18. August 2011 in Freizeitgestaltung, Gelaber

> „Meine Mama sagt das immer“, sage ich. „Das Leben schreibt die besten Geschichten.
Und ich frage mich dann immer, will sie mich subtil beleidigen? Ich rufe sie doch auch
nicht an und sage: Hey! Was ich sagen wollte: Mutter Natur ist doch die beste Mutter.“
<
(Marc-Uwe Kling – „Das Känguru-Manifest“ – S. 64)

Auf unserem Balkon hängt ein langer Kasten in dem verschiedene Küchenkräutern wuchern. In diesem entdeckte ich letzten Samstag auf dem Oregano eine wunderschöne Punk-Raupe mit Handtasche. Sie wanderte kurz auf den Thymian und über das Rosmarin, dann zurück zum Oregano, wo auch noch ihre Handtasche lag.

Auf dem Bild, geschossen von meinem Hausundhoffotografmitderbesserenkamera, kann man auch ihre Handtasche erkennen, die unterm Blatt klebt. Nach kurzer Recherche im Netz fand ich heraus, dass die Punkraupe ein Schlehen-Bürstenspinner ist und die Handtasche ihre zu eng gewordene Bekleidung.
Obwohl ich in diesem Sommer nur unangenehme Erfahrungen mit Raupen gesammelt habe (zweimal haben mir Raupenbanden meine Brunnenkresse ruiniert und letzte Woche kamen kalkweiße Zombiemaden aus dem Mülleimer), durfte sie bleiben. Einfach weil sie so cool aussieht und ich ein paar Blätter Oregano entbehren kann, denn aus der kleinen Pflanze vom Sommeranfang ist ein dichter Busch geworden, der für eine italienische Großfamilie reichen würde.
Zwei Tage war sie dann verschwunden. Ich ging davon aus, dass sie sich sattgefressen und verpuppt hat. Leider wird aus ihr dann kein hübscher Schmetterling, sondern ein recht langweiliger brauner Falter. Schade! Aber bei den Menschen wird ja auch gelegentlich aus dem bunten Punk irgendwann ein farbloser Anzugträger.
Doch am dritten Tag saß sie wieder da. Und ein paar Blätter unter ihr ein weiterer und größerer Bürstenspinner mit vier schokoladenbraunen Rückbürsten. Also hat sie wohl nur ihren dicken Cousin vom Bahnhof abgeholt, dachte ich. Der hat sich auch gleich ausgezogen und seine Klamotten im Oregano liegen lassen.
Einen weiteren Tag später, also gestern, sah ich, dass sie nun ein Trio sind, eine kleine Schwester ist jetzt auch mit von Partie.
Ich weiß nicht, für wieviele Spinner meine Gastfreundschaft noch reichen wird…

>„Das ist auch eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat“,  sage ich.
„Zweifelsohne“, sagt das Känguru.
„Ist doch okay“, sage ich. „Kann man mal erzählen.“
„Ja, aber man würde sich nicht unbedingt einen Film darüber ankucken
wollen“, sagt das Känguru. <
(Marc-Uwe Kling – „Das Känguru-Manifest“ – S. 65)

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